Mit dem Rollstuhl durch den Südwesten der USA

Von Las Vegas nach San Francisco

Auf unseren Reisen ist uns wichtig, dass wir möglichst frei und flexibel sein können. Vielleicht verstärkt sich dieses Streben dadurch, dass wir beide mit einer Behinderung leben.

Für diesen Trip wollten wir das auf jeden Fall auf die Spitze treiben und keine Hotels buchen, sondern selbst entscheiden, wann wir wo wie lange bleiben. Das einzige feste Ziel war der Rückflug.

Meine Freundin Lisa ist Rollstuhlfahrerin, so wie ich einer bin. Sie hat Spina Bifida, ich eine Querschnittlähmung. Das hat uns beide nie von irgendetwas abgehalten und auch diese Reise verlief zu diesem Zeitpunkt schon erfolgreich.

Fokus auf Skateparks

Wir kamen aus Dallas nach Las Vegas, weil dort in Texas die WCMX Weltmeisterschaften waren.

Wir konnten beide den 3. Platz abstauben, Lisa nahm einen fetten Pokal bei den Frauen entgegen, ich besserte als Drittbester Pro unsere Urlaubskasse etwas auf.

Las Vegas war für uns ein Ziel, weil abgesehen davon, dass es halt Las „f*n“ Vegas ist, es einige sehr geile Skateparks dort gibt. Diese kennen wir, weil der Nitro Circus Star Aaron „Wheelz“ Fotheringham dort wohnt und er mit seinen Videos Motivation und Inspiration nach meinem Unfall war. Mittlerweile ist er ein guter Freund und wir freuten uns, dass er in der Stadt weilte und wir ihn besuchen konnten.

Unsere Reiseziele suchen wir eigentlich immer eher danach aus, wie die Skateparks aussehen.

Durch unser Wohnmobil, dass wir schon vor unserem Trip gemütlich über die Seite von CU | Camper gebucht hatten, konnten wir nah an den Skateparks übernachten und diese so voll auskosten.

Zusammen mit CU | Camper und Cruise America war es auch problemlos möglich, das Wohnmobil mit einem Handgas auszustatten, sodass wir es als Rollstuhlfahrer auch fahren können. Das ist etwas, was in Deutschland noch schier unmöglich zu sein scheint. Die freundlichen Kollegen von Cruise America Las Vegas waren auch sehr kompetent in der Sache und hatten offensichtlich schon öfter mal Rollstuhlfahrer als Kunden.

Direkt nachdem wir unser 25 Fuß Wohnmobil entgegen genommen haben, fuhren wir den nächsten Skatepark an.

Im Doc Romeo Park ist der sogenannte „Pro Park“. Der Skatepark hat schon ein paar Jahre auf dem Buckel, weswegen Aaron dort natürlich auch schon jede Menge Videos gedreht hat.

Somit kannte ich den Skatepark schon vorher ganz gut und wusste, was ich probieren will. Aaron kam mit auf eine Abendsession und lud uns auch zu sich nach Hause ein. Nach einer guten Session waren wir hungrig und entschlossen, bei ihm Pasta zu kochen. Einen Supermarkt mussten wir eh ansteuern, damit wir unseren RV Kühlschrank füllen konnten.

Die erste Nacht in unserem Wohnmobil standen wir so bei unserem Freund auf der Einfahrt. Von dort steuerten wir direkt am nächsten Morgen, nach einem leckeren Frühstück wieder den nächsten Skatepark an. Dieses mal war es der erst kürzlich eröffnete Craig Ranch Skatepark in North Las Vegas. Dieser Park kam uns vor wie Skate Wonderland und wir waren so begeistert, dass wir ihn in den nächsten zwei Tagen noch ein paar mal aufsuchten.

Doch wir waren ja in Las Vegas, also wollten wir natürlich auch ein paar Casinos besuchen und so machten wir uns auf den Weg über den Strip und nach Downtown. Während ich kein großes Glück an den Automaten hatte, konnte Lisa immerhin ganze 11 Dollar gewinnen. Naja, bei der WM in Texas waren wir eindeutig erfolgreicher.

Durch die Wüste

In Las Vegas war es kein Problem, auf Walmart Parkplätzen zu übernachten, denn die haben dort fast alle eine „RV Friendly Policy“.

So lange man auch seine Vorräte dort auffüllte, war man herzlich willkommen, auch über Nacht.

So sehr uns auch Las Vegas und vor allem der Craig Ranch Skatepark gefiel – so langsam mussten wir uns auf den Weg machen. Denn unser Flug sollte in ein paar Tagen von San Francisco starten.

Wir fuhren spät abends raus aus Las Vegas, nordwestwärts und nachdem wir endlich die Lichter der Stadt nur noch im Spiegel sahen, peilten wir einen Stellplatz auf einem nahegelegenen Berg an. Leider waren wir zu spät und man kam nicht mehr auf den Campingplatz, aber wir stellten uns, müde wie wir waren, einfach auf einen Parkplatz in der Nähe. Am nächsten Morgen erst sahen wir, wie schön wir eigentlich geparkt haben.

Gerade noch in der Wüste, waren wir nun weit oben im felsigen Tannenwald von Mt Charlston.

Ein Frühstück mit schöner Aussicht später fuhren wir weiter Richtung Beatty. Dort angekommen zeigte sich die Kleinstadt wie in einem Hollywoodfilm mit Wüstenflair und Redneck-Charme. Wir hielten an einem RV Park, um ein bisschen „Ballast“ abzulassen.

Weiter ging es durch die Wüste. Der Tank war noch gut gefüllt und wir fuhren drauf los Richtung Norden. Doch dann erstreckte sich die Wüste unzählige Meilen. Außer die Straße, auf der wir fuhren, kein Anzeichen von Zivilisation. Ab und an halb verlassene kleine Orte und unsere Tanknadel sank und sank. Langsam bekamen wir Angst, liegen zu bleiben. Zum Glück war durch starken Wind die Temperatur unerwartet kalt, aber mitten im Nirgendwo wollten wir nun wirklich nicht stehen bleiben. Langsam kamen wieder mehr Orte, doch die ersten paar Dörfer hatten nur Werbung für Tankstellen der nächstgrößeren Stadt. Wir fuhren mittlerweile auf Reserve, doch schafften es dann irgendwann auch endlich an eine Zapfsäule.

Natürlich fielen wir auf den Trick rein und nahmen die erstbeste Tankstelle in dieser Situation. Die mal locker das doppelte kostete, als die nur wenige Meilen entfernten Konkurrenten. Offenbar war nicht nur unser Wohnmobil nach der Wüstenfahrt extrem durstig.

Mit vollem Tank ging es weiter Richtung Tahoe, welches wir aber an diesem Tag nicht erreichen sollten. Wir genossen den Sonnenuntergang irgendwo mitten in der Wüste und fuhren dann eine nahegelegene Rest Area in Hawthorne, Nevada an. An solchen Rastplätzen kann man sein Wohnmobil problemlos über Nacht abstellen.

Am nächsten Tag ging es weiter nordwärts mit dem Ziel Lake Tahoe. Auf der Fahrt war besonders interessant, wie sich die Umgebung änderte. Noch mitten in der Wüste tauchten am Horizont schneebedeckte Berge auf und es dauerte nicht lange, da stand man selbst im Schnee.

Da unser Navi eine Route vorschlug, die recht kurvig den Berg rauf ging, hielten wir an, um per Hand eine etwas einfachere Route zu wählen. Ein hinter uns haltender Sheriff gab uns dann ein paar Tipps, wie wir auf der Truck Route nach Lake Tahoe kommen. Unser Wohnmobil war ja ein halber Truck, zumindest für uns Europäer.

Innerhalb von wenigen Stunden sind wir also von trockenem Sand zu schneebedeckten Wäldern gekommen und suchten uns einen Platz für die Nacht in South Lake Tahoe. Wir fanden einen Campingplatz nahe am See, der uns zwar recht teuer erschien, aber offenbar auch weit und breit der einzige am See war. Wir genossen einen weiteren schönen Sonnenuntergang mit Seeblick und machten noch einen ausgiebigen Ausflug durch den Ort.

An die Küste

Das nächste Ziel war nun schon die Kalifornische Pazifikküste oder zumindest schon ziemlich nah dran.

Wir wollten uns in Santa Rosa mit ein paar Freunden treffen und dort mal wieder einen Skatepark unter die Räder bekommen. Die Abfahrt von Lake Tahoe mit schneereichen Wäldern und Gebirgsflüssen hielten uns aber ein wenig auf, weil wir diese Umgebung noch etwas erkunden wollten. So kamen wir etwas später als erwartet in Santa Rosa an, aber dank der kalifornischen Sonne, hatten wir noch beste Temperaturen bis spät in den Abend.

Der Skatepark Santa Rosa und noch viel mehr die Locals dort haben uns eine schöne Session beschert. Die Nacht blieben wir wieder auf einem Walmart-Parkplatz in Santa Rosa und fuhren in aller Früh weiter Richtung San Francisco, stoppten aber nochmal an einem Skatepark in San Rafael. Dort frühstückten wir erst einmal und trafen Randy aus Santa Rosa wieder für eine weitere Session. Es war ziemlich heiß und der Skatepark hatte es in sich, aber wir nutzten die frühe Stunde, um den ganzen Skatepark für uns zu haben. Als sich der Skatepark dann doch langsam füllte, waren wir schon erschöpft genug und fuhren weiter Richtung San Francisco.

Eigentlich wollten wir vor der Golden Gate Bridge noch einmal abbiegen um einen Aussichtspunkt anzufahren, doch wir verpassten die Ausfahrt und waren schon mitten auf der Brücke. Dann erreichten wir die Stadt und wir suchten uns einen Parkplatz. Keine einfache Aufgabe, wie sich herausstellen sollte. Als wir dann endlich einen Platz gefunden hatten, rollten wir ein Stück zur Golden Gate Bridge, um noch einen schönen Blick auf die berühmte Brücke zu bekommen. Am sogenannten Welcome Center fanden wir den auch und rasteten dort erst einmal ein Weilchen.

Nachdem wir genug vom Blick auf die Golden Gate und das berühmte ehemalige Gefängnis Alcatraz hatten, fuhren wir weiter und suchten nach einem Walmart, der uns wieder über Nacht aufnahm.

Leider mussten wir feststellen, dass San Francisco nicht mehr sehr Hippie- und RV-freundlich sein will und so wurden wir überall weg geschickt.

In Daly City fanden wir einen Target Markt, bei dem ein Mitarbeiter nach mehreren Telefonaten und Gesprächen mit anderen Mitarbeitern uns erlaubte, über Nacht zu bleiben. Allerdings sollten wir möglichst weit weg von den Straßen und vom Eingang parken. Ok, kein Problem, wir waren ja froh, was gefunden zu haben. Die Nacht war dann auch angenehm ruhig. Am nächsten Morgen beim Frühstück bemerkte ich jedoch, wie eine Frau um unser Wohnmobil schlich und Fotos machte. Ich sprang aus dem Auto, nur auf dem Hintern robbend, da ich meinen Rollstuhl so schnell nicht raus bekam. Sie stellte sich als Besitzerin des Grundstücks und des Target Marktes vor und offenbar gefiel ihr nicht, dass ihre Mitarbeiter uns die Erlaubnis gaben, dort zu übernachten. Wir sollten sehen, dass wir wegkommen.

Weil uns San Francisco einfach nicht willkommen heißen wollte, fuhren wir über die Bucht an die East Bay. In Berkeley haben wir einen Verein ausfindig gemacht, der Handbikes verlieh und wir entschieden uns, den Tag mit einer Handbiketour entlang der Bucht zu machen. Die Leute vom Verein Bay Area Outreach & Recreation Program, kurz BORP, empfingen uns freundlich und waren richtig happy, dass wir den Weg dorthin gefunden haben.

Wir bekamen zwei Handbikes und durften diese den ganzen Tag nutzen. Davon machten wir auch ausgiebig Gebrauch und auf den gut ausgebauten Fahrradwegen, konnten wir eine schöne Tour machen. Wir fuhren erst ein wenig Richtung Norden, kamen dort aber in eine natürliche Sackgasse und mussten wieder zurück. Etwas weiter südwärts konnten wir dann aber eine ganze Strecke an der Küstenlinie entlang fahren. Wir erhaschten sogar einen etwas nebeligen Blick auf die Golden Gate Bridge.

Wir blieben auf dieser Seite der Bucht, in der Hoffnung hier freundlicher empfangen zu werden. Doch auch hier wollte uns keiner einen Platz über Nacht geben. Blöderweise waren auch keine Campingplätze in der Nähe, sodass man das Gefühl haben musste, man müsse sein Wohnmobil auflösen oder wegzaubern. Schlussendlich fuhren wir einfach in ein Wohngebiet, parkten und schliefen, es störte wohl keinen, aber mitten in der Nacht wurden wir von Sirenen geweckt. Ich dachte, die Polizei wäre vielleicht wegen uns da, aber wir hatten bei diesem zufällig gewählten Platz einfach nur das Pech, dass in dem Haus nebenan notärztliche Hilfe gebraucht wurde. Da die Kollegen des Rettungsdienstes aber entspannt und mit leerer Trage das Haus verlassen haben, nehmen wir an, dass es auch dort allen gut ging.

Am nächsten Tag war es dann auch schon so weit, unser Wohnmobil zurück zu Cruise America zu bringen. Ein spannender und erlebnisreicher Roadtrip sollte so zu Ende gehen. Da wir das Wohnmobil einen Tag vor Abflug abgeben mussten, trauten wir uns auch noch einmal nach San Francisco rein und siehe da: Ohne Wohnmobil ist diese Stadt doch ganz nett zu uns gewesen.

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