Zwei Faden tief: Eine Mark-Twain-Tour entlang des Mississippi

© Georgia Tourism
Beale Street in Downtown Memphis

Das Vermächtnis von Mark Twain

Kein Autor ist so mit dem Mittleren Westen der USA verbunden wie Mark Twain (1835 bis 1910). Oft fast schon abschätzig als Jugendbuchautor oder Humorist bezeichnet, war Twain vielmehr ein Vertreter des amerikanischen Realismus, seine Werke setzten sich – bei aller Kurzweil und Schrulligkeit – auch immer mit gesellschaftskritischen Themen wie Rassismus und Machtgier auseinander. Twains literarische Figuren Tom Sawyer und Huckleberry Finn sind unsterblich. Ernest Hemingway urteilte sogar, die gesamte amerikanische Literatur gehe auf das Buch „Die Abenteuer des Huckleberry Finn“ zurück.

Wie es zu „Mark Twain“ kam

Auf dem Mississippi, dem mit 2.347 Meilen längsten Fluss Nordamerikas, ließ sich der gebürtige Samuel Langhorne Clemens zum Lotsen ausbilden. Aus seiner Zeit auf dem Mississippi stammt auch das Pseudonym Mark Twain (bedeutet in der Sprache der Flussschiffer „Zwei Faden Wassertiefe“), hier spielen seine Welterfolge „Die Abenteuer des Tom Sawyer“ und „Die Abenteuer des Huckleberry Finn“. Grund genug also, den Camper auf einer Mark-Twain-Tour entlang des „Ol‘ Man River“ zu steuern. Für diese Route mit ihrer Gesamtlänge von gut 1.864 Meilen sollten Sie mindestens drei Wochen einplanen.

© Tourism Louisville
Belle of Louisville

Twain liebte das Städtchen La Crosse

Beginnen wir unsere Mark-Twain-Tour in Minneapolis, der größten Stadt Minnesotas. Zusammen mit der Schwesterstadt St. Paul am gegenüberliegenden Ufer des Mississippi bildet sie die Region „Twin Cities“. Wer sich für zeitgenössische Kunst interessiert, besucht das Walker Art Center, Shopping-Begeisterte strömen ins Mall of America, mit etwa 42 Millionen Besuchern im Jahr das geschäftigste Einkaufszentrum der Welt. Weiter führt die Fahrt nach La Crosse in Wisconsin.

Als Trapper noch ihre Felle zum Verkauf anboten, war hier ein wichtiger Handelsposten.

Interessantes

In seinem Werk „Leben auf dem Mississippi“ war Twain begeistert von La Crosse, beschrieb es als „choice town“. Auch der nahegelegene Aussichtsfelsen Granddad’s Bluff findet in Twains 1883 erschienener Erzählung eine Erwähnung. Der Highway 61 führt weiter nach Dubuque in Iowa. Hier im Herzen der Tri-State-Area an der Grenze zu Illinois und Wisconsin empfiehlt sich ein Besuch des National Mississippi River Museum & Aquarium, das Geschichte, Kultur und Flora entlang des Flusses dokumentiert.

Hannibal: Heimatort von Mark Twain

Über Quincy geht es weiter nach Hannibal in Missouri, dem Wallfahrtsort für Mark-Twain-Liebhaber. Hier wuchs Twain auf, hier veröffentlichte er im Lokalblatt „Hannibal Journal“ seine ersten Artikel. Hannibal diente auch als Vorlage für das fiktive Städtchen St. Petersburg, in dem Tom Sawyer und Huck Finn ihre Abenteuer erleben. Ein Pflichtbesuch ist natürlich das Mark-Twain-Museum, das einen umfassenden Einblick in das Leben und Schaffen des großen Autors liefert.

Über die Cahokia Mounds State Historic Site – in der Zeit vor Christoph Kolumbus die größte Stadt Amerikas – geht es nach St. Louis. Das „Tor zum Westen“, symbolisiert durch den fast 200 Meter hohen Gateway Arch, war 1904 Gastgeber für sowohl die Olympischen Spiele als auch die Weltausstellung. Von St. Louis starten viele nostalgische Mississippi-Raddampfer zu ihren Sightseeing-Touren – wer sich einmal auf die Spuren von Mark Twain als Flusslotsen begeben will, ist hier goldrichtig.

© Tennessee Tourism
© Deep South USA
© Georgia Tourism
© Tennessee Tourism
© Deep South USA
© Georgia Tourism
Memphis

In Memphis wurde der Rock’n’Roll geboren

Die nächste große Stadt auf der Mark-Twain-Tour ist Memphis, Tennessee – ein entscheidender Ort in der US-Musikgeschichte. Hier lebte Elvis Presley in seiner Villa „Graceland“, heute einer der größten Besuchermagneten von Memphis. Die Stadt war aber auch Heimat für Größen wie Johnny Cash, B.B. King, Jerry Lee Lewis, Roy Orbison und Carl Perkins, um nur einige zu nennen. Die hiesigen Studios von Sun Records gelten als Geburtsstätte des Rock’n’Roll. Ein dunkles Kapitel von Memphis ist die Ermordung des Bürgerrechtlers Martin Luther King, der hier im Jahr 1968 erschossen wurde.

Weiter führt der Weg nach Clarksdale, der Heimat des Blues. Von hier stammen nicht nur Blues-Legenden wie John Lee Hooker und Muddy Waters. In Clarksdale hat auch Robert Johnson seine Seele an den Teufel verkauft, um den echten Blues spielen zu können – nachzuhören in Johnsons Stück „Cross Road Blues“, das später unter dem Titel „Crossroads“ von Cream, Jimi Hendrix, Bob Dylan und Lynyrd Skynyrd und vielen anderen gecovert wurde. Unbedingt einen Besuch wert ist das Delta Blues Museum mit seiner riesigen Sammlung von Blues-Memorabilien.

© Sean Pavone / Shutterstock
© f11photo / Shutterstock
© Sean Pavone / Shutterstock
© f11photo / Shutterstock
New Orleans

Mark-Twain-Tour: Endstation in New Orleans

Gute 124 Meilen von Clarksdale entfernt liegt Vicksburg, Schauplatz einer der entscheidenden Schlachten des amerikanischen Bürgerkriegs: Nach der Kapitulation der Stadt am 4. Juli 1863 hatte der Norden die Kontrolle über fast das gesamte Mississippi-Tal gewonnen.

Die nächsten Stationen auf unserer Route sind Natchez, Baton Rouge und Lafayette, bevor wir in New Orleans unser Ziel erreichen. „The Big Easy“ präsentiert sich heute – nach den furchtbaren Verwüstungen von Hurrikan „Katrina“ im August 2005 – wieder als beliebtes Touristenziel. Der Stadtkern erstreckt sich über beide Seiten des Mississippi, das berühmte French Quarter mit der Bourbon Street liegt nur wenige Schritte vom Ufer entfernt.