Auf den Spuren des US-Bürgerkriegs

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Antietam National Battlefield

Mit dem Camper auf historischen Spuren

Als im Winter 1860/61 insgesamt elf Südstaaten die Vereinigten Staaten von Amerika verließen und die Konföderierten Staaten von Amerika gründeten, war dies der Beginn einer Tragödie.

Vorausgegangen war die Wahl von Abraham Lincoln zum Präsidenten der USA. Die abtrünnigen Staaten, allesamt sogenannte „Sklavenhalterstaaten“, befürchteten, Lincoln wolle die Sklavenhaltung einschränken oder gar verbieten. Am 12. April 1861 begann mit dem Beschuss von Fort Sumter durch konföderierte Streitkräfte der US-Bürgerkrieg. Erst nach vier Jahren und mehr als 620.000 Toten auf beiden Seiten endete der Sezessionskrieg: Das sind mehr Tote, als die USA in allen anderen Kriegen zusammen – vom Unabhängigkeitskrieg bis Irak – zu beklagen hatten. Aber für die Amerikaner ist der Bürgerkrieg auch eine Art zweite Geburtsstunde ihrer Nation. Dementsprechend touristisch aufbereitet sind auch die Schauplätze der großen Schlachten – ideal für historisch interessierte USA-Besucher, um sie in einer Tour mit dem Camper zu erkunden!

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© Jerric Ramos / Shutterstock
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Das Capitol

US-Bürgerkrieg: Zwei Schachten am Bull Run

Nur 93 Meilen liegen zwischen Washington und Richmond, den damaligen Hauptstädten des Nordens und Südens, und viele entscheidende Schlachten des amerikanischen Bürgerkriegs fanden in dieser Gegend statt. Eine Rundreise zu den wichtigsten Schauplätzen beginnt also am besten in Washington, die Fahrt zu den einzelnen Stopps dauert selten länger als zwei bis drei Stunden. In einer Stunde beispielsweise erreicht man von Washington aus Manassas in Virginia. Das kleine Städtchen (38.000 Einwohner) erlebte gleich zwei Schlachten – darunter am 21. Juli 1861 die erste große Landschlacht des Krieges, die mit einer vernichtenden Niederlage des Nordens endete. Auch die zweite Schlacht von Manassas (28. – 30. August 1862) konnten die Südstaaten für sich entscheiden. Übrigens: Während die beiden Gefechte im Süden als erste und zweite Schlacht von Manassas bekannt sind, werden sie im Norden als erste und zweite Schlacht am Bull Run geführt. Andere Auseinandersetzungen des US-Bürgerkriegs haben bei den ehemaligen Kontrahenten ebenfalls unterschiedliche Namen. Grund: Die Konföderation bezeichnete die Auseinandersetzungen zumeist nach nahegelegenen Ortschaften oder auffälligen Geländeteilen, die Union nach dem nächstgelegenen Fluss oder Bach.

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Shenandoah-Nationalpark

„Wir würden sonst vielleicht Gefallen daran finden“

Ziemlich genau in der Mitte zwischen Washington und Richmond liegt Fredericksburg in Virginia. Hier versuchten die Nordstaaten zwischen dem 11. und 15. Dezember 1862, den Fluss Rappahannock zu überqueren und die Stadt einzunehmen. Nach furchtbaren Verlusten bei dem Versuch, die Anhöhe Marye’s Heights einzunehmen, zogen sich die Unionstruppen zurück. Der siegreiche Konföderierten-Oberbefehlshaber General Robert E. Lee äußerte nach dem entsetzlichen Gemetzel den berühmten Satz: „Es ist nur gut, dass der Krieg so schrecklich ist – wir würden sonst vielleicht Gefallen daran finden.“

Unweit von Fredericksburg befinden sich auch die Schlachtfelder von Chancellorsville (27. April bis 5. Mai 1863), Wilderness (5./6. Mai 1864) und Spotsylvania (8. bis 21. Mai 1864) – alle werden im Fredericksburg & Spotsylvania National Military Park gewürdigt.

US-Bürgerkrieg: Richmond und die Sieben-Tage-Schlacht

Eine Stunde Fahrtzeit in Richtung Süden liegt Richmond in Virginia, vormals Hauptstadt der Konföderation und Sitz ihres Präsidenten Jefferson Davis. Viel ist nicht mehr übrig vom Glanz alter Tage, die Stadt wurde kurz vor Kriegsende von verheerenden Bränden fast vollständig zerstört und neu aufgebaut. Das White House & Museum of the Confederacy ist einen Besuch wert. In der Nähe von Richmond fand zwischen dem 25. Juni und dem 1. Juli 1862 die Sieben-Tage-Schlacht statt, die eigentlich eine Abfolge von sechs einzelnen Gefechten war.

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Washington DC

Harper’s Ferry: Vorspiel zum US-Bürgerkrieg

Richtung Westen geht’s es von Richmond aus in zwei Stunden ins Shenendoah-Tal, Schauplatz von Südstaaten-General Thomas „Stonewall“ Jacksons berühmtem Shenendoah-Feldzug: Über drei Monate lang beschäftigte Jackson im Frühjahr 1862 mit seinen nur 17.000 Mann in insgesamt elf Gefechten mehr als 100.000 Unionssoldaten.

Wer will, unternimmt als nächstes einen Abstecher nach Harpers Ferry (West Virginia), wo zwei Jahre vor Ausbruch des amerikanischen Bürgerkriegs eine Art Vorspiel stattfand: Der Abolitionist John Brown überfiel hier mit 18 Gefolgsleuten ein Waffenlager, um einen Sklavenaufstand zu entfachen.

Nicht ein Sklave wollte sich ihnen anschließen, und die Armee – befehligt von Robert E. Lee – beendete den Angriff.

Wissenswertes

Brown wurde gehängt. Der nächste Schauplatz liegt nur eine halbe Stunde nördlich von Harper’s Ferry: Sharpsburg (Maryland) oder Antietam, wie die Schlacht am 17. September 1862 im Norden genannt wird. Mit Gesamtverlusten von 23.000 Mann war Antietam die verlustreichste Ein-Tages-Schlacht des gesamten US-Bürgerkriegs. Obwohl die Nordstaaten die durchaus vorhandene Möglichkeit, dem Süden eine vernichtende Niederlage beizufügen, ungenutzt ließen, gab der Ausgang der Schlacht US-Präsident Lincoln die Möglichkeit, seine Emanzipationserklärung zur Befreiung der Sklaven im Süden anzukündigen.

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National Cemetery

Für die letzte Station der Tour können ruhig zwei Tage eingeplant werden: In Gettysburg (Pennsylvania) nahm der US-Bürgerkrieg in einer dreitägigen, gigantischen Schlacht eine entscheidende Wendung: Vom 1. bis zum 3. Juli 1863 standen sich hier knapp 160.000 Mann gegenüber. Während der erste Tag nach dem Geschmack des siegesgewohnten Robert E. Lee verlief und der zweite Tag in einem Patt endete, läutete der dritte Tag den Untergang der Konföderation ein. 12.000 Südstaatler unter der Führung von Generalmajor George Pickett griffen die Unionstruppen am Cemetary Ridge an und wurden furchtbar zusammengeschossen. „Pickett’s Charge“ endete in einem Desaster für Lee, nach Gettysburg war die Konföderation fast nur noch mit Rückzugsgefechten beschäftigt. Das „Visitor Center“ bietet ein großes Museum; das Schlachtfeld selbst kann mit dem eigenen Camper abgefahren werden, eine Audio-CD führt dabei in chronologischer Reihenfolge der Ereignisse zu den einzelnen Punkten.

Zurück in Washington, lässt sich die Tour an die Schauplätze des US-Bürgerkriegs mit einem Besuch des Ford’s Theatre beenden: Hier wurde Abraham Lincoln am 14. April 1865, fünf Tage nach der Kapitulation von General Lee, von dem Schauspieler und Südstaatenanhänger John Wilkes Booth erschossen. Die Loge ist noch wie damals geschmückt, eine Ausstellung informiert über das Attentat, das ganz Amerika erschütterte – auch den Süden.