Von Sevilla bis zur „Letzten Bratwurst vor Amerika“

© Antonia Stübi
Praia da Bordeira

Vom 15. – 25. Juni 2019 war ich zusammen mit meiner Freundin mit einem Family Standard, Wohnmobil von McRent Spanien in Portugal unterwegs. Ursprünglich war geplant, das Wohnmobil in Faro zu übernehmen. Da das aber leider nicht bestätigt werden konnte, sind wir auf eine Übernahme in Sevilla ausgewichen. Die Flüge nach Faro waren allerdings bereits gebucht, was aber nicht weiter tragisch war, da es zwischen Faro und Sevilla sehr gute Busverbindungen gibt.

Tag 1

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Castelejo Viewpoint

Von Bremen aus ging es mit Ryanair nach Faro. Da wir dort erst um 23 Uhr ankommen sollten, hatte ich bereits vorab online einen Transfer vom Flughafen zu unserer Unterkunft gebucht. Um diese Uhrzeit kommt man mit öffentlichen Verkehrsmitteln vom Flughafen leider nicht mehr weg und ein Taxi wäre teurer gewesen. So wurden wir in der Ankunftshalle auch schon von unserem Fahrer erwartet und waren 20 Minuten später in unserer Unterkunft im Zentrum der Stadt.

Tag 2

Da die Wohnmobilübernahme erst am Montag den 17. Juni erfolgen sollte, verbrachten wir den Tag damit, uns Faro anzuschauen. Süße kleine Stadt, viel kleiner als ich erwartet hatte. Nach unserem Rundgang waren wir uns auch nicht sicher, ob wir nicht vielleicht etwas übersehen hatten. Es stellte sich jedoch heraus, dass es einfach nicht mehr zu sehen gibt.

Gegen Spätnachmittag hatten wir beim spanischen Busunternehmen ALSA unsere Fahrt nach Sevilla gebucht, was alles recht unproblematisch verlief.

Tipp

Die Bushaltestellen in beiden Städten liegen sehr zentral und fußläufig zu den Stadtzentren. In Sevilla angekommen suchten wir auch direkt unsere Unterkunft auf, ein kleines Hostel in der Innenstadt.

Tag 3: Wohnmobilübernahme – Mazagón

Endlich war der Tag gekommen, an dem wir unser Wohnmobil übernehmen sollten. Laut Reiseunterlagen war die Übernahme ab 10 Uhr möglich, weshalb wir uns auch zeitig auf den Weg zur Station von McRent Spanien gemacht haben.

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Von Sevilla nach Faro

Die Station liegt etwa 20 Kilometer südlich des Stadtzentrums. Da uns rund 50 € für die Taxifahrt dorthin zu viel Geld waren, haben wir uns für die öffentlichen Verkehrsmittel entschieden, was aber auch gut machbar ist. Vom Stadtzentrum Sevillas kommt man recht unproblematisch mit dem Zug nach Dos Hermanas. Kosten ca. 3,50 € pro Person, Fahrzeit ca. 15 Min. Vom Bahnhof in Dos Hermanas mussten wir für die letzten Kilometer bis zur Vermietstation dann ein Taxi nehmen, da ein Weiterkommen mit Öffis nicht möglich war. Kosten rund 10 €. Später stellte sich dann heraus, dass es direkt an der Station auch eine Bushaltestelle gibt, Informationen zur Buslinie und Abfahrtszeiten haben wir jedoch keine gefunden. Laut eines Mitarbeiters kommt dort zwei bis drei mal am Tag ein Bus vorbei, näheres konnte er uns aber auch nicht sagen.

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Sonnenuntergang genießen

Der erste Eindruck der Station war nicht besonders vertrauenswürdig und wir waren uns auch nicht ganz sicher, ob wir richtig sind – die große Blechhalle, an einer Schnellstraße im Nichts war zunächst nicht als Wohnmobilanbieter erkennbar. Nach einem fragenden Blick durch das offen stehende Tor wurde uns aber bestätigt, dass wir richtig sind. Die administrative Abwicklung verlief recht wortkarg, darauf folgte jedoch eine sehr ausführliche und umfangreiche Fahrzeugeinweisung. Mängel, die dabei erkannt wurden, wurden auch direkt behoben. Uns wurden keine weitere Versicherung angeboten, dafür bekamen wir den sehr hilfreiche Tipp für die App „park4night“, die eine Übersicht über Camping- und Parkplätze bietet – nicht nur für Portugal, sondern weltweit.

Da wir den Urlaub gern autonom, abseits von Campingplätzen und bestenfalls auf kostenfreien Stellplätzen verbringen wollten, haben wir dort sehr schöne Plätze zum übernachten gefunden.

Grundsätzlich ist „wild campen“ in Portugal nicht verboten, aber auch nicht direkt erlaubt, sondern wird eher geduldet, solange man entsprechende Parkplätze aufsucht.

Hinweis

Alles in allem war das Fahrzeug auch noch recht neu, noch keine 20.000 Kilometer gelaufen, und sehr gut ausgestattet:

  • 3 Pfannen verschiedener Größe
  • Geschirr und Besteck für 4 Personen, obwohl wir nur zur Zweit unterwegs waren
  • 4 Töpfe unterschiedlicher Größe
  • Espresse-/Kaffeekocher
  • Salatschleuder
  • Geschirrtuch
  • Kochbesteck
  • Schneidebrett
  • Küchenmesser

Das Bettset hatten wir nicht dazu gebucht, sondern Schlafsäcke von zu Hause mitgenommen und auch auf Campingtisch und Stühle haben wir verzichtet. Nachdem wir alles in Augenschein genommen hatten, konnte der Urlaub im Wohnmobil beginnen. Da wir ja gern entlang der portugiesischen Küste reisen wollten, sind wir auch direkt in diese Richtung aufgebrochen, haben aber die erste Nacht noch auf spanischen Grund verbracht.

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Playa de Mazagón

Ziel war die Region Huelva im Norden der Costa de la Luz und dort ein Wohnmobil-Parkplatz an der Playa de Mazagón, auf dem man kostenfrei über Nacht stehen konnte. Für uns ein sehr schöner Einstieg, denn wir standen direkt an der Sandkante des Strandes mit uneingeschränktem Blick auf das Meer. Mit uns waren dort auch nur zwei weitere Camper und so blieb genug Platz und Privatsphäre für alle. Angrenzend an den Parkplatz gab es ein kleines Strandrestaurant und auf der gegenüberliegenden Straßenseite eine öffentliche Toilette. Das Ortszentrum von Mazagón war in etwa zehn Minuten zu Fuß zu erreichen.

Tag 4: Mazagón – Tavira

Nach einem sehr erfrischenden Bad im Atlantik und einem anschließenden gemütlichen Frühstück im Camper sind wir mit einem kleinen Umweg über den Parc Nacional de Donana in Richtung Portugal aufgebrochen. Per Zufall sind wir in dem kleinen Ort El Rocio gelandet, der wie eine Geisterwesternstadt wirkt. Ein Ortsbild, das man in Spanien nicht unbedingt erwartet. Keine befestigten Straßen, überall nur Sand, Häuserreihen im Stil eines Saloons mit Anbindehaken für Pferde vor der Tür und einem Dorfplatz, der wie eine Rennbahn wirkt. Einmal im Jahr werden dort wohl die Wildpferde aus dem Parc Nacional de Donana zusammengetrieben, um sich einen Überblick über den Bestand und Zustand zu verschaffen. Ein riesiges traditionelles Volksfest, was Tausende Spanier anzieht und über die Grenzen des Landes nicht bekannt ist. Und auch nur Pilger wissen von El Rocio als Wallfahrtsort. Jedes Jahr zu Pfingsten strömen sie zu Tausenden aus aller Welt in den kleinen Ort, um der Heiligen Jungfrau von El Rocio ihre Ehre zu erweisen. Den Rest des Jahres ist es dort so ausgestorben, wie wir es erlebt haben.

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El Rocio

Über die Autobahn haben wir sehr schnell die Spanisch-Portugiesische Grenze erreicht und uns in Portugal dann aber eher auf kleineren Nebenstraßen gehalten. Nicht nur, weil wir so die Mautgebühr umgehen konnten, sondern auch weil wir mehr von Land und Leuten sehen wollten. Für die Nacht haben wir uns für einen Parkplatz an der Praia do Cabeco entschieden. Hier hatten wir zwar leider keinen Meerblick, aber trotzdem einen schönen und ebenen Stellplatz hinter den Dünen. Auch hier standen mit uns nur zwei bis drei weitere Camper. Zum kilometerlangen hellen Sandstrand waren es auch nur ein wenige Schritte. Dort gab es zwei Strandrestaurants und eine öffentliche Toilette.

Tag 5-8: Tavira – Westküste

Unser grober Plan des Urlaubs war langsam an der Algarve bis zur Westküste zu reisen. Kurzerhand haben wir dann aber entschieden, an diesem Tag bis zur Westküste durch zu fahren und auf dem Rückweg Stopps einzubauen. Auch hier haben wir wieder den mautfreien Weg gewählt, der uns durch kleine Ortschaften und unzählige Kreisel geführt hat. Spätestens nach dieser Strecke hatten wir den Wendekreis unseres Wohnmobils verinnerlicht. Mit Hilfe der ‚park4night‘-App haben wir uns spontan für einen Parkplatz an der Praia da Salema entschieden. Die Anfahrt durch den Ort war etwas Millimeterarbeit, da die Gassen nur unwesentlich breiter als unser Wohnmobil waren. Aber wir wurden mit einem wunderschönen Stellplatz oberhalb der Klippen und mit Meerblick belohnt. Über eine lange Holztreppe konnten wir direkt zum Strand runter gehen, den wir um diese Jahreszeit fast für uns alleine hatten.

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Praia da Salema

Eigentlich wollten wir uns von der Westküste ja langsam wieder in Richtung Spanien bewegen und dabei die kleinen Buchten und schönen Strände entlang der Algarve besuchen. Nach einem Ausflug an die Praia do Camilo, einer kleinen Bucht in der Nähe von Lagos, haben wir diesen Plan jedoch wieder überworfen und sind an der Westküste geblieben. Die Region zwischen Lagos und Albufeira ist die Haupturlaubsregion an der Südküste Portugals und im Juli entsprechend besucht. Überfüllte Touriorte und Strände, an denen man Handtuch an Handtuch liegt, sind garnicht unser Ding. Da hat es uns an den fast menschenleeren, breiten Stränden im Westen besser gefallen. Das schöne an einer Reise mit Camper ist aber ja auch, dass man flexibel ist – also ging es zurück.

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Praia do Camilo

Im Westen erlebt man landschaftlich noch ein sehr ursprüngliches und unberührtes Portugal, denn die gesamte Küste steht unter Naturschutz und darf nicht bebaut werden. Somit findet man hier noch breite unberührte Strände, die sich am Fuße der steilen Klippen erstrecken. Super schön war der Praia da Bordeira, ein ewig breiter weißer Sandstrand. Hier gibt es auch einen Parkplatz, auf dem übernachtet werden darf. Wir haben ihn aber nur als Ausgangspunkt für eine Wanderung oder eher Spaziergang entlang des Cap Sao Vicente genutzt. Toller Weg oberhalb der Klippen mit mega schönen Ausblicken auf das Meer und die Küste Portugals. Für die Nacht sind wir vom Parkplatz aus noch ein Stück hoch auf die Klippen gefahren, wo es am Straßenrand noch einige Parkbuchten gab.

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Praia da Bordeira

Ein bisschen Touriprogramm haben wir aber auch gemacht und sind einen Vormittag zum Cabo de Sao Vicente gefahren, um die Aussicht vom südwestlichsten Punkt des europäischen Festlandes zu genießen. Für mich gab es zum Mittag die „Letzte Bratwurst vor Amerika“. Ein Auswanderer-Ehepaar aus Deutschland, das aus der Sendung „Goodbye Deutschland“ bekannt ist, bietet hier original Nürnberger und Thüringer Bratwurst an. Nicht, dass ich mir daraus was mache, aber es hat sich einfach angeboten.

Die Nacht haben wir auf dem Parkplatz des Cabanas Velhas Beach verbracht. Kein spektakulärer Platz, aber es war nicht weit bis zum Strand, der sich in einer kleinen Bucht erstreckt. Am nächsten Morgen sind wir früh los in Richtung Sagres, da wir dort bei der Freeride Surfschule einen Wellenreitkurs gebucht hatten – darf ja nicht fehlen, wenn man in Portugal ist. Die Surfschule ist auf jeden Fall sehr empfehlenswert. Professionelle Lehrer, die ihre Leidenschaft zum Surfen voll ausleben und sehr gut vermitteln können. Wir waren etwa zehn Personen und wurden von zwei Lehrern betreut. Fast jeder aus der Gruppe hat zumindest mal für einen kurzen Moment auf dem Brett gestanden.

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Praia da Cordoama

Leider neigte sich unser Urlaub nach diesem geilen Erlebnis langsam dem Ende und wir haben uns noch am selben Tag wieder auf den Weg in Richtung Spanien gemacht. Ziel war ein Parkplatz an der Praia dos Arrifes. Wir standen direkt oberhalb des Strandes an der Kante der Klippe. Super schöner Strand mit bizarren Felsformationen, die vor der Küste aus dem Wasser ragten. Der Strand ist grundsätzlich sehr beliebt und tagsüber gut besucht.

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Cabo Sao Vicente

Da wir erst gegen Abend angekommen sind, hatten wir Glück und die Menschenmassen hatten sich schon auf den Heimweg gemacht, so dass nur wir und ein paar weitere Camper zurückblieben. Am Abend genossen wir hier einen wunderschönen Sonnenuntergang und die noch ruhigen Morgenstunden nutzten wir für einen Kaffee am Strand. Natürlich durfte auch das allmorgendliche Bad im Meer nicht fehlen. Auf dem Weg über die Klippen zum Strand entdeckten wir auch eine Gruppe Delfine, die vor der Küste entlang schwamm – ein super schönes Erlebnis, die Tiere dabei zu beobachten, wie sie mit wellenförmigen Bewegungen durch das Wasser glitten.

Tag 9: Zurück in Spanien

Nach dem Frühstück machten wir uns ohne große Zwischenstopps auf den Weg nach Spanien. Da wir nach wie vor keine Maut bezahlen wollten, passierten wir Kreisel um Kreisel und viele kleine Ortschaften, bis wir schließlich wieder auf dem Wohnmobil-Parkplatz in Mazagon ankamen, wo wir auch in der ersten Nacht bereits gestanden hatten. Aus den Resten im Kühlschrank kreierten wir ein Abendessen und ließen den letzten Abend unserer Wohnmobilreise mit einem Bier am Strand ausklingen.

Tag 10: Rückgabe des Campers

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Aussicht in Cabo Sao Vicente

Da wir den Camper erst bis 13 Uhr zurück gegeben haben mussten, ließen wir auch am letzten Tag keinen Stress aufkommen. Entspannt packten wir unsere Sachen, badeten ein letztes Mal im Meer und fuhren dann zurück zur Station von McRent Sevilla. Letzter Zwischenstopp vor der Rückgabe war das entleeren des Wasser- und Abwassertanks und natürlich das Auffüllen des Benzintanks. Die Rückgabe verlief super unkompliziert und schnell und somit saßen wir schon eine halbe Stunde später im Taxi nach Dos Hermanas, von wo aus wir dann mit dem Zug zurück ins Stadtzentrum von Sevilla gefahren sind. Unser Rückflug ging erst am nächsten Tag um 16 Uhr ab Faro, daher hatten wir uns für die letzte Nacht ein Zimmer in Sevilla gebucht. Die verbleibende Zeit nutzten wir noch für ein bisschen zum Sightseeing und zum Shoppen.

Tag 11: Rückreise

Nach dem Frühstück machten wir uns auf den Weg zum Busbahnhof in Sevilla, der von unserem Hostel nur ein paar Gehminuten entfernt lag. Online hatten wir vorab wieder Tickets bei dem spanischen Busunternehmen ALSA gebucht, das uns zuverlässig und pünktlich zum Flughafen in Faro brachte. Adé schönes Portugal – Adé Sonne, Strand und Meer.

Fazit

Wir hatten einen super schönen Urlaub mit dem Wohnmobil in Spanien und Portugal. Portugal und vor allem die Westküste können wir jedem empfehlen. Mit dem Camper ist super, dass „Wildcampen“ auf ausgewiesenen Parkplätzen noch geduldet wird, offiziell erlaubt ist es aber nicht. Wer lieber auf einem richtigen Campingplatz mit Service steht, wird auch fündig, diese liegen aber eher im Landesinneren und nicht direkt an der Küste oder am Strand.

© Antonia Stübi
Mit McRent Spanien und Portugal entdecken

Mit dem 100 Liter Frischwassertank und den Tanks für Grey- und Blackwater sind wir gut drei bis vier Tage ausgekommen ohne zu dumpen. Somit haben wir während unserer Reise nur einmal einen Campingplatz aufgesucht, um alles wieder frisch zu machen. Auch die Jahreszeit fanden wir für unseren Urlaub sehr angenehm, da es an den meisten Orten noch nicht so überlaufen war. Im Verlauf des Urlaubs hat man aber gemerkt, wie es langsam anzog.

Mit McRent waren wir auch sehr zufrieden, aus unserer Sicht lief alles gut, wir haben aber auch noch keinen Vergleich. Das Wohnmobil war in einem sehr guten Zustand, die Ausstattung umfangreicher als erwartet und wir haben eine sehr ausführliche Einweisung bekommen. Wünschenswert wäre gewesen, wenn man auf der Homepage oder mit den Reiseunterlagen zusätzlich zur Adresse der Station ein paar mehr Informationen zur Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln bekommen hätte. Aber wir haben den Weg auch so gefunden. Alles in allem war es ein geiler Urlaub und mit Sicherheit nicht der letzte im Wohnmobil!

Antonia Stübi, Februar 2020

Spanien
In Sevilla starten und Spanien entdecken