Auf in den Nordwesten der USA

3 Staaten in 3 Wochen oder wie aus 4 Füßen 12 Füße wurden
© Andrea Mc Donald

Nach langem Zaudern – da oben soll es ja sooo regnerisch sein – wird es diesmal der Nordwesten der USA. Mit dem C 19 von Road Bear starten wir in San Francisco mit dem Ziel Seattle. Die (frühe) Übernahme des mit viel Sorgfalt ausgestatteten WoMos verläuft ohne Probleme und nach ausführlichem Ersteinkauf fahren wir zu allererst durch Downtown San Francisco. Für den ersten Tag eine eher enge Kiste, aber die langsame Geschwindigkeit verringert die Unsicherheit. Das kommt eben davon, wenn man unbedingt die Golden Gate Bridge überqueren will, die sich übrigens auch nicht gerade durch üppige Abmessungen der Fahrbahnen auszeichnet.

Im Land der Wasserfälle

Die erste Nacht verbringen wir im Samuel P. Taylor SP, eine der wenigen Vorausbuchungen – neben dem Wochenende des vierten Julis – die wir von Deutschland aus getätigt haben. Zu dieser Jahreszeit (Juni/Juli) sicherlich ein Risiko, welches wir aber z.B. durch Vermeidung der Hotspots am Wochenende und frühes Ankommen an „first come, first serve“ Campgrounds versuchen zu verringern. Eine für uns erfolgreiche Strategie, die aber sicherlich nichts für nervösere Gemüter und / oder Familien ist.

Die ersten Tage geht es auf dem Highway No.1 die Küste gen Norden, vorbei an Mount Tamalpais, Point Reyes National Seashore, Point Arena Leuchtturm, Mendocino, dem viktorianischen Ferndale, Mac Kerricher Park und weiteren oft beschriebenen Highlights. Das befürchtete unstete Wetter bleibt bisher aus, auch als wir die Küste Richtung Crater Lake verlassen und – zumindest gefühlt – auch wieder mal ein Stück geradeaus fahren dürfen.

Wer die Kurverei auf dem Highway No.1 nicht überstanden hat ist unsere Mikrowelle.

Verlust

Was am zweiten Tag nur leicht rattert, steht am dritten Tag quer im Gehäuse und droht am vierten Tage völlig den Halt zu verlieren. Dank eines Telefonates mit der Hotline, die nach 18:00 Uhr Ortszeit übrigens von Neuseeland aus antwortet und einem netten Tankwart fristet die Mikrowelle den Rest der Reise ihr Dasein im Kofferraum. Da wir gerne Dry Camping betreiben, ist das für uns kein größeres Problem. Das fantastische Blau des Crater Lakes müssen wir nicht extra erwähnen, vielleicht aber zwei unerwartete Situationen: Während der Schneeschmelze wechseln die Bedingungen auf den Campsites des Mazama Village quasi stündlich.

© Andrea Mc Donald
© Andrea Mc Donald
Clearwater Falls

Was morgens noch ein halber Meter Schnee ist, mutiert bis abends gerne zu einem See größeren Ausmaßes. Was abends eine Matschpfütze ist, wird über Nacht gerne zur Eisbahn. Die Schneeschmelze bringt außerdem eine echte Moskitoplage mit sich. Müßig zu erwähnen, dass wir nach Aufstockung der mitgebrachten OFF-Vorräte keines mehr dieser Viecher sehen. Am Abreisemorgen wissen wir mal wieder, warum wir das Reisen mit dem Wohnmobil so lieben: Lange vor allen Tagesbesuchern genießen wir den Frühstückskaffee direkt am See.

Die Ruhe hält allerdings nur so lange an, wie das erste 30-Fuß-Motorhome neben uns parkt und erst einmal den Generator anwirft. Unser Generator blieb übrigens die ganze Reise über ungenutzt, ein Umstand, den unsere Nachbarn sicherlich zu schätzen wussten.

Der Rest des Tages beschert uns ein unerwartetes Highlight: Entlang des Highways 138 befinden sich vier kleine Wasserfälle, jeder davon einen ausführlichen Stopp wert: Toketee, Watson, Whitehorse und Clearwater Falls.

Weg von der Küste

© Andrea Mc Donald
Die Painted Hills

Vorbei an den Painted Hills des John Day Fossil National Monument geht es Richtung Lake Simtustus. Den gleichnamigen Campground können wir sehr empfehlen, denn nicht nur Angler sondern auch der Vogelliebhaber finden hier ein gut ausgestattetes, mit reicher Flora und Fauna gesegnetes Plätzchen. Pünktlich zu meinem Geburtstag geht es nun Richtung Columbia River Gorge um noch mehr Wasserfälle zu bewundern.

Diese sind hier reichlich vorhanden, weniger reichlich jedoch gibt es Parkplätze für Wohnmobile. Einmal parkt ausgerechnet ein Mini auf dem WoMo-Parkplatz. Wie gut, dass ich auf Deutsch fluche. Noch seltener sind die Möglichkeiten vom Highway 84 auf den parallel gelegenen Historic Columbia Highway zu gelangen, von dem aus man die diversen Fälle bestaunen kann. Wer die richtige Ausfahrt verpasst, fährt hier hin und zurück 50 Meilen extra.

Nächste Station ist Portland, nicht übermäßig aufregend, aber mit dem Rosengarten, einer Phalanx von Foodtrucks, dem kleinsten Park sowie dem größten Buchladen der Welt und einer bunten – über die ganze Stadt verteilten – Kunstsammlung eine nette Abwechslung.

Erleben Sie jetzt Ihr eigenes USA-Abenteuer!

Wer wie wir auf dem Columbia River RV übernachtet, kann gut zum Expo-Center fahren, dort das WoMo parken und mit Linie gelb in die Stadt fahren. Unseren ursprünglichen Plan zum erwähnten Expo-Center zu laufen, können wir nicht empfehlen, Fußgänger sind hier einfach nicht vorgesehen.

Da ich seit über 20 Jahren unbedingt die „Spruce Goose“, das größte Holzflugzeug der Welt sehen möchte, machen wir auf dem Weg zur Küste von Oregon noch einen Abstecher nach McMinnville. Auf dem Parkplatz des Evergreen Aviation Museum darf man zudem eine Nacht kostenlos campen. Vorsicht für alle, die diese Strecke ebenfalls einschlagen wollen: Das Navi schlägt als kürzeste Verbindung den Weg über die Fähre des Williamette River vor. Diese Fähre ist jedoch für Wohnmobile bei zu niedrigem Wasserstand nicht nutzbar und dann heißt es – mit einigem Zeitaufwand – drumherum fahren.

Weiter bis Seattle

Nach den Stationen Cannon Beach und Astoria an der Küste Oregons geht es zu den großen Nationalparks Mount St. Helens und Mount Rainier.

© Andrea Mc Donald
Mount St. Helens
© Andrea Mc Donald
Mount St. Helens

Das Timing für Mount St. Helens ist perfekt, wir erwischen genau die Hauptblütezeit und schwelgen in rot, lila, weiß, gelb und blau vor dem Hintergrund des halb zerstörten Berges. Zu Mount Rainier ist sicherlich schon alles geschrieben worden (dennoch unser Toptipp: „Trail of the Shadows“), uns persönlich hat aber dann doch die hohe Murmeltierdichte überrascht. Noch öfter scheinen jedoch Mäuse vorzukommen, zumindest so oft, dass wir hier zwei blinde Passagiere „aufsammeln“ . Dank in Forks gekaufter Mäusefallen werden wir unsere Mitbewohner auch wieder los und können das Wohnmobil am Ende doch noch leer übergeben. Auf das Dankesschreiben unserer Nachmieter warten wir allerdings noch. Tatsächlich finde ich es immer noch erstaunlich, wie viel Lärm acht kleine Füße des Nachts machen können.

Die letzte Station vor Seattle ist der Olympic Nationalpark. Die Vielfalt dieses Nationalparks ist wirklich außergewöhnlich: Regenwald, Gebirgsregionen, heiße Quellen , aufregende Küstenlinien und mit Forks auch noch der Handlungsort der „Biss“-Bücher von S. Meyer. Aber noch nicht mal hier, am regenreichsten Ort Nordamerikas, will es auf unserer Reise regnen. So ein Pech aber auch. Am besten gefielen mir hier die mystischen Märchenbilder, die sich im Hoh-Regenwald bieten. Bei meinem Mann gewinnt die Wanderung zum Hurricane Hill. Hierzu sei allerdings gesagt, dass der Ausgangspunkt der Wanderung ein Parkplatz 1,5 Meilen hinter dem Visitor Center ist und dieser mit einem Wohnmobil nicht erreichbar ist. Dann muss man weitere 3 Meilen zur Wanderung hinzurechnen oder nett fragen. Wir haben uns für die letzte Variante entschieden. Unsere Zeitplanung erlaubte uns vier Tage auf der olympischen Halbinsel, pro Himmelsrichtung einen. Das war ausreichend, aber einer mehr hätte auch nicht wirklich geschadet.

Die Rückgabe nach 21 Tagen und 2.750 Meilen in der – recht kleinen – Filiale in Seattle ging reibungslos und das Taxi (statt des erwarteten Shuttlebusses) brachte uns – statt zum Flughafen – zur nächstgelegenen Light Rail Station, so dass wir unseren Urlaub wie geplant in Seattle beschließen konnten. Fazit: Im Ganzen eine sehr gelungene Reise bei dem sehr guten Wohnmobilanbieter Road Bear und einem sehr freundlichen Vermittler in Deutschland namens Cu | Camper. Bei uns schafft es dieser Trip in unsere persönliche Top 3. Noch vor der Südwestschleife USA, auf gleicher Höhe mit den Rocky Mountains aus dem letzten Jahr und gleich nach Australiens Ostküste. Und wenn alles gut läuft, kann ich in einem Jahr dann aus Neuseeland berichten.

© Andrea Mc Donald
Das Point Arena Lighthouse 

Andrea Mc Donald, Juni/Juli 2017