Westkanadas Nationalparks und Provinzparks

Start in Vancouver

Mittlerweile ist es schon zwei Wochen her, dass wir unseren ersten Kanada-Urlaub gemacht haben. Wenn man bedenkt, dass die Planung fast 1,5 Jahre gedauert hat und man sich riesig auf den Urlaub gefreut hat, ist es jetzt umso trauriger, dass die drei Wochen Kanada schon wieder vorbei sind.

Aber alles hat auch immer gute Seiten, denn wir haben gemeinsam beschlossen, dass es nicht unser letzter Kanada-Urlaub gewesen sein wird. Aber kommen wir nun zu unserer Route.
Wir sind am 10. Juni 2018 von Hamburg über Reykjavik nach Vancouver geflogen. In Reykjavik haben wir dann noch Freunde aus Bamberg eingesammelt, welche aus München angereist sind. Nach zwei mehr oder weniger langen Flügen waren wir froh, endlich in Vancouver gelandet zu sein. Es sind auch tatsächlich alle Koffer, bis auf meiner, in Kanada angekommen. Nach kurzer Meldung, dass mein Koffer nicht angekommen ist, ging es endlich weiter in unser Ferienhaus, welches wir für die ersten zwei Tage in Kanada, über AirBnB gebucht hatten.
Das Haus lag in einer ruhigen und typisch-kanadischen kleinen Straße im Bezirk Richmond. Nach zwei Tagen Sightseeing in Vancouver haben wir am 12. Juni endlich unseren RV bei CanaDream übernommen.

Von Vancouver Island nach Jasper

Von dort aus sind wir auch gleich Richtung Vancouver Island gestartet. Nach einer kurzen Fährüberfahrt und ca. einer Stunde Fahrt sind wir endlich auf dem ersten Campground, dem Oceanside Resort, angekommen.

Nach einer entspannten Nacht, ausreichendem Frühstück und einem kurzen Spaziergang ging es auf eine unserer längeren Touren. An dem Tag sind wir über Victoria und Nanaimo bis zum Sproat Lake Provincial Park gefahren. Dort angekommen haben wir die zwei weiteren Campgrounds in der Nähe besichtigt, sind über eine Hängebrücke gewandert und haben am Abend das erste Lagerfeuer gemacht.
Am nächsten Tag ging es nach Tofino zum Bella Pacifica Campground, welcher direkt am Pazifik liegt und sehr ruhig und entspannt ist. Natürlich wurde Tofino gleich unsicher gemacht und das auch ganz speziell, denn auf der kompletten Insel gab es einen Stromausfall, wodurch leider viele Geschäfte geschlossen hatten, aber die die auf hatten, umso lustiger waren, denn alle haben den Stromausfall mit Humor genommen.
Selbstverständlich wurde am Nachmittag im Pazifik auch angebadet, was die Einheimischen rein gar nicht nachvollziehen konnten bei 8° Wassertemperatur. Am Abend wurde dann die Planung für den nächsten Tag gemacht und wir beschlossen, dass unsere Freunde mit ihrem zweijährigem Sohn bereits in Richtung Brannen Lake Campground aufbrechen und wir in Tofino noch eine 2,5-stündige Kajaktour machen. Wir hatten wie immer grandioses Wetter mit Sonnenschein. Leider wurden wir am Morgen vom Helikopter-Suchtrupp vor der Küste geweckt, denn in der Nacht ist ein kleines Fischerboot mit drei Anglern gekentert. Zwei Leute konnten umgehend gerettet werden aber der letzte wurde den ganzen Tag über um und vor Tofino mit Booten und Helikoptern gesucht. Selbst auf unserer Kajak Tour wurden wir angewiesen, nach der vermissten Person Ausschau zu halten, leider ohne Erfolg.
Trotz der Tragödie versuchten wir aus der Tour das Beste herauszuholen und haben die ersten Weißkopfadler gesichtet, sowie eine Menge Krabben, Seesterne und Seehunde. Aufgrund der starken Flut war der Hinweg eine Leichtigkeit, auf dem Rückweg hat uns fast die Kraft verlassen, sodass wir arg zu kämpfen hatten, um wieder zum Ausgangspunkt zu paddeln. Nach erfolgreicher Tour haben wir uns bei Müsliriegeln und heißem Kakao gestärkt und haben anschließend ebenfalls den Weg zum nächsten Campground angetreten.

Am Brannen Lake angekommen freuten wir uns umso mehr, dass wir endlich mal zwei Tage auf einem Campground bleiben konnten. Dank des Sees um die Ecke konnten die Männer auch endlich ihre Angeln ausprobieren und haben tatsächlich kleine Mini-Forellen geangelt, welche aber noch weiter wachsen durften. Am zweiten Tag vor Ort stand Sightseeing in Nanaimo auf dem Tagesplan. Nanaimo ist ein kleines beschauliches Fischerdorf mit einem gemütlichen Hafen und an unserem Tag vielen Teenies in Abendrobe, da großer Prom Ball war.
Am Nachmittag haben wir die Ruhe am Brannen Lake mit baden, angeln und in der Sonne entspannen genossen. Gegen Abend haben wir uns dann wieder gemütlich am Lagerfeuer eingefunden und das erste Mal in Kanada leckeres Stockbrot überm Feuer gegrillt. Am nächsten Tag ging es wieder zurück aufs Festland, also ab zur Fähre in Nanaimo und weiter ging es zum Cal-Cheak Recreation Site. Dort angekommen wurden wir das erste Mal von den Moskitos angegriffen, denn ab jetzt hieß es „Herzlich Willkommen im Überflutungsgebiet“. In Richtung Rockies hatte es im Frühjahr viel geregnet, was zu starken Überschwemmungen geführt hat, dadurch hatten die Moskitos eine großartige Grundlage um sich gefühlt millionenfach zu entwickeln. Aber mit den besten Moskito Abwehrmitteln gewappnet haben wir uns auch auf der weiteren Tour gegen die kleinen fiesen Plagegeister wehren können. Tipp von uns, immer das grüne OFF dabei haben und diese Spiralen zum Anzünden, welche dann einfach abräuchern.
Am Morgen waren die Männer in der Früh angeln, während der Rest entspannt aufgestanden und zum wach werden in den See gesprungen ist. Nach dem Frühstück ging es dann mal wieder auf eine lange Tour mit vielen Sightseeing-Stops, denn am Abend sollte der Bridge Lake Provincial Park erobert werden. Auf dem Weg dorthin haben wir an türkisen Seen, überwältigenden Wässerfällen und Co. halt gemacht.

Das erfreulichste war wohl aber die erste Grizzly-Bärenmama-Sichtung mit zwei kleinen Bärenbabys direkt an der Straße.

Am Bridge Lake angekommen wurde erst mal lecker zu Abend gegessen, bevor alle kaputt ins Bett gefallen sind. Am nächsten Morgen stand dann endlich ein Nationalpark in Aussicht, denn es ging nach Jasper in den Wapiti Provincial Park.

Auf der Strecke war zum ersten Mal nicht nur Wald, Wiese und Flüsse zu sehen, sondern eine gefühlte Wüste. In der Umgebung von Clearwater ist es sehr trocken, weshalb man sich zeitweise wie im wilden Westen vor kam. Spannend zu sehen, aber für mich eine der weniger schönen Ecken von Kanada, dafür gab es dann aber am Mount Robson das übliche Kanada-Bild. Rockies, Gletscherseen und Flüsse sowie eine Menge Wasserfälle. Traumhaft! Ab diesem Zeitpunkt traten auch die typischen kanadischen Tiere in Erscheinung: Cariboos, Elche, Erdmännchen und und und…
Umgeben von riesigen Bergen und tiefen Tälern fuhren wir Richtung Campground. Dort angekommen wurde deftig gegrillt. Endlich konnten die Männer ihrer Grill-Leidenschaft freien Lauf lassen und zauberten uns am Abend eine deftige Baconbomb. Auch auf diesem Campground haben wir zwei Tage Zeit gehabt, daher ging es am nächsten Tag direkt nach Jasper. Bei viel zu heißen 38° im Schatten mussten wir unbedingt die Laundry aufsuchen und mal zwischendurch durchwaschen, denn mein Koffer war nach wie vor nicht aufzufinden (mittlerweile war die Hälfte des Urlaubes vorbei).
Nach dem Wäschewaschen konnte endlich Jasper erkundet werden.

Wir haben uns direkt in die kleine gemütliche Altstadt verliebt, sodass wir nach einem Brauereibesuch und chillen vor dem Visitor Center mit allen am Abend bei Earl’s essen waren.

Morgens ging es dann Richtung Banff mit vielen Stopps auf der Strecke. Als erstes standen die Athabaska Falls auf dem Plan, dicht gefolgt von den Bow Falls.
Nach dem Icefield’s Parkway und einem kurzen Gletscher-Stopp stand dann in Banff der Tunnel Mountain 2 Provincial Park auf dem Plan und dies sogar einen Tag früher, als ursprünglich geplant. Die erste Überraschung war, dass wir freudig von Erdmännchen begrüßt wurden. Der Kleine von unseren Freunden hatte große Freude daran, die Erdmännchen zu suchen und zu finden, was an sich auch nicht wirklich schwer war, da auf jedem Platz eine Erdmännchen Familie gewohnt hat.

Zurück über Banff und Revelstoke

Die nächsten zwei Tage haben wir mit Shopping und Sightseeing in Banff verbracht. Hierbei wurde der Brauerei ein Besuch abgestattet, Cave & Basin besichtigt, auf dem Lake Minnewanka mit dem Motorboot umhergefahren und eine Wildlife Tour unternommen. Selbstverständlich stand auch ein wenig wandern auf dem Plan.

Abends wurde dann die Rommé Zockerrunde eingeläutet, was in den nächsten Tagen öfter auf dem Plan stand, da es ab Banff für die restliche Reise immer mal wieder geregnet hat, zum Glück mal mehr und mal weniger.
Nach den aufregenden Tagen in Banff haben wir am Morgen eine frühe Abfahrt Richtung Lake Louise geplant, um noch vor den Reisebussen anzukommen. Trotz kurz vor 9 Uhr Eintreffen am Lake Louise gab es rein gar keinen Parkplatz mehr für unsere beiden RVs. Daher beschlossen wir, auf einem Rastplatz kurz zu frühstücken und dann Richtung Emerald Lake aufzubrechen. Natürlich durfte ein Abstecher zu den Takakkaw Falls nicht fehlen.
An dem Tag bin ich gefahren und habe mich wie ein Kleinkind auf die Vorwärts- Rückwärtsfahrt zu den Wasserfällen nach oben gefreut. Feststellung: Auch ein 32‘ RV schafft es locker hoch zu den Wasserfällen. Am Wasserfall angekommen steht eine Miniwanderung auf dem Plan mit mehreren Fotostopps und Erholungspausen am Fluss. Anschließend ging es den Berg auch wieder vorwärts und rückwärts herunter, um Richtung Emerald Lake weiterzufahren.
Zuvor haben wir noch einen Zwischenstopp an der Natural Bridge gemacht und sind auch dort noch ein wenig gewandert, bevor wir endlich mal wieder einen riesigen türkisfarbenen See vor den Augen hatten. Da es auch hier ziemlich voll und menschenüberlaufen war, haben wir beschlossen, über Golden zum nächsten Campground zu fahren. An diesem Tag haben wir mitten im Nirgendwo an der Blaeberry Road einen kostenfreien Campground angesteuert.

Für uns alle war dies einer der schönsten und entspanntesten Übernachtungsplätze auf unserer ganzen Tour. Wir haben uns einen ruhigen Abend direkt am Fluss gemacht und den Vollmond in seiner vollen Pracht beobachtet.

Da alle auch am Morgen die Natur vor Ort noch genießen wollten, haben wir beschlossen, ausreichend zu frühstücken. Leider wurde aus dem Plan nichts, denn mitten in der Nacht fing es an zu schütten. Am Morgen regnete es Bindfäden, sodass wir fluchtartig den Campground verließen und uns Richtung Revelstoke aufgemacht haben. Kurz vor Revelstoke haben wir noch einen Abstecher in den Giant Cedars Broadwalk Trail gemacht und sind den Pfad durch die alten Bäume entlang gelaufen.
Danach ging es nach Revelstoke, wo wir erst mal das Visitor Center angesteuert haben, um uns erste Infos einzuholen. Nachdem wir uns für den Revelstoke Campground entschieden haben, sind wir mit einem RV in die Stadt gefahren. Dort haben wir uns dann aufgeteilt, der eine Teil war in der Stadt shoppen und der andere Teil ist zum Enchanted Forest gefahren, damit der kleine Mann auch mal etwas erleben kann.
Abends haben wir dann der Mount Begbie Brauerei, gleich um die Ecke vom Campground, einen Besuch abgestattet. Dies ist ein großer Geheimtipp, denn die Brauerei wurde 2017 zu Kanadas bester Brauerei gewählt und wir können bestätigen, dass sie den Titel zurecht trägt. Neben der großen und leckeren Bierauswahl genießt man ein wahnsinniges Bergpanorama und zudem unglaublich leckeres Essen. Die komplette Truppe war von vorn bis hinten begeistert. Nach dem grandiosen Abendessen inkl. Bierverkostung ging es zurück zum Campground. Dort stand für mich mal wieder waschen an der Tagesordnung, mein Koffer hatte sich zwar mittlerweile wieder angefunden, da wir jedoch auf Roadtrip waren, durfte ich den Koffer am letzten Tag der Reise in Vancouver am Flughafen abholen und dort dann auch gleich wieder einchecken.
Abends haben wir es uns im Camper gemütlich gemacht, da es mal wieder regnete. Bei 1-2 Bier wurde der nächste Tag geplant. Da wir uns so langsam auf der Zielgeraden unserer Route befanden, ging es am nächsten Morgen in Richtung Salmon Arm. Auch hier erwartete uns mal wieder eine grandiose Übernachtungsmöglichkeit direkt an einem See.

Der Shuswap Lake Provincial Park hat alles, was man benötigt: Einen See, der zum Baden einlädt, einen Spielplatz für die Kleinen, sowie unseren ersten Gruppenplatz auf einem Campground. Den Tag haben wir am See verbracht und abends mal wieder den Grill angeworfen. Nach einer Runde Rommé sind dann alle wieder ins Bett gefallen und haben sich auf den nächsten Morgen gefreut, denn es ging zum Monck Provincial Park.
Hier haben wir das erste Mal im Leben Murmeltiere gesehen. Das sind schon witzige kleine Gefährten, welche auf dem Campground ein ruhiges und entspanntes Leben direkt am See führen. Endlich konnten die Männer mal wieder Angeln und waren sogar das erste Mal im Urlaub erfolgreich und haben zwei Kokanee-Fische geangelt, diese wurden am nächsten Tag in Harrison Hot Springs auf dem Country Club Campground verspeist.
Leider ist in Harrison Hot auch unser vorletzter Urlaubstag angebrochen. Abends wurden alle Koffer gepackt und das letzte Urlaubsbier genossen, denn am nächsten Morgen ging es für alle um 6 Uhr Richtung Vancouver zu unseren Camperverleihern Cruise Canada und CanaDream. Um 9:30 Uhr waren beide Camper abgegeben und wir bereits auf dem Weg zum Flughafen. Dort angekommen habe ich meinen Koffer abgeholt und wieder eingecheckt, worauf es anschließend hieß, die letzten Dollar gegen Souvenirs einzutauschen.
Um 15:35 Uhr startete der Flieger in Richtung Reykjavik, wo wir dann unsere Bamberger nach drei Wochen Kanada wieder verabschieden mussten. Nachmittags am 30.06.2018 um 14:30 Uhr sind wir wieder heil und hundemüde in Hamburg gelandet. Zum Glück wurden wir von einem Freund abgeholt, sodass wir recht schnell zu Hause und auf unserer Couch lagen. Das war dann auch das Ende unseres Kanada-Urlaubs und noch heute trauern wir diesem unglaublich spannenden und aufregenden Urlaub hinterher. Die Menschen in Kanada sind so unglaublich entspannt und mit sich im Reinen, dass wir tatsächlich überlegen, irgendwann nach Kanada auszuwandern. Nicht in den nächsten zehn Jahren, aber vielleicht im Alter, wenn man jeden Tag im Wohnmobil verbringen kann.

Familie König, Juli 2018

Bilder:
© Familie König

Camper in Kanada mieten