Von Seattle bis San Francisco im September 2018

Mein Mann und ich haben im September 2018 unsere nunmehr dritte Wohnmobil-Reise unternommen und sind nach wie vor uneingeschränkt begeistert von dieser Art des Urlaubs.

Diesmal haben wir uns für die Strecke von Seattle bis San Francisco entschieden. Somit hatten wir als Ausgangs- und Zielpunkt zwei attraktive amerikanische Städte als Kontrastprogramm zu der abwechslungsreichen Natur dazwischen.

Wir haben uns bewusst für den Monat September entschieden – in der Hoffnung, nicht mehr die Menschenmassen der Schulferien, aber noch immer gutes Wetter anzutreffen. Dieser Plan ist absolut aufgegangen! Da wir grundsätzlich die einfachen staatlichen Campgrounds den privaten RV Resorts vorziehen, haben wir frühzeitig mit den entsprechenden Vorbereitungen begonnen, unsere Reiseroute festgelegt und Campingplätze reserviert. Obwohl die Saison gebietsweise schon spürbar ihrem Ende entgegen ging, war das in einigen Fällen unerlässlich.

Entgegen der weit verbreiteten Annahme, wir würden die Küste entlang fahren, lag der Schwerpunkt unserer Reise mehr im Inland und die Vulkankette der Cascade Mountain Range sollte der „rote Faden“ unserer Reise werden.

Der Gipfel des Mount Rainiers

Die erste Etappe nach Wohnmobilübernahme und Großeinkauf war der Mount Rainier-Nationalpark, wo wir bei herrlichem Spätsommerwetter freie Sicht auf den gletscherüberzogenen Gipfel hatten. Ein Traum-Start! Wir haben uns zwei volle Tage Zeit genommen, um den ganzen Park zu erkunden, inklusive ausgiebiger Wanderungen in Sunrise und Paradise, sowie die ersten Baumriesen im Grove of the Patriarchs.

Der zweite Vulkan unserer Reise war der Mount St. Helens mit ganz anderen Eindrücken. Wir entschieden uns für die Anfahrt von Westen, wo wir zunächst im sehr informativen Johnston Ridge Observatory Hintergründe zum verheerenden Ausbruch 1980 erfuhren. Danach wanderten wir noch ein ganzes Stück auf dem Johnston Ridge Trail, wobei sich die „Wolkenmütze“ am (nicht mehr vorhandenen) Gipfel leider hartnäckig hielt. Zum Glück war unten drunter alles offen, so dass wir dennoch einen guten Blick auf die „devastated area“ hatten und uns nur schwer die Gewalt der Naturkatastrophe vorstellen konnten.

Küstenabschnitt der Oregon Küste

Die kommenden Tage führte uns unsere Route in kleinen Etappen entlang der attraktiven Oregon Küste, die mit ihren Felsen, Buchten, kilometerlangen Sandstränden, Pinienwäldern, Leuchttürmen, Aussichtspunkten und kleinen Ortschaften sehr abwechslungsreich ist und immer wieder Anlässe für Zwischenstopps bietet. Das Wetter war wie erwartet sehr wechselhaft: Wolken waren unsere ständigen Begleiter, was teilweise zu sehr mystischer Stimmung beitrug, aber leider auch oft die „scenic views“ verdeckte und uns die ein oder andere Wanderung vereitelte. Morgens regnete es manchmal, aber spätestens am Mittag kam meist die Sonne zum Vorschein und gab uns Gelegenheit zu langen Strandspaziergängen.

Unsere persönlichen Highlights entlang der Oregon Coast waren der Ecola State Park nördlich von Cannon Beach, unzählige Wale, die wir vom Yaquina Head Lighthouse sehen konnten und die Seelöwen im Hafen von Newport. Die letzte Übernachtung, bevor wir wieder in die Berge fuhren, war in den Oregon Sand Dunes, was sicherlich sehr beeindruckend gewesen wäre, wenn sie nicht von dichtem Nebel eingehüllt gewesen wären.

Auf den sehr malerischen State Route 38 und 138 verließen wir die Küste in Richtung Osten, wo uns schon nach wenigen Meilen blitzblauer Himmel und Sonnenschein beschert wurde. Nächstes Ziel mit einer Zwischenübernachtung am hübschen Diamond Lake war der Crater Lake – Vulkan Nr. 3 und einer der Höhepunkte unserer Reise! Der See entstand vor knapp 8.000 Jahren in einem riesigen zusammengefallenen Vulkankrater und ist mit fast 600 Metern der tiefste See der USA. Er hat keinerlei Zu- oder Abflüsse, sondern wird lediglich durch Schmelz- und Regenwasser gespeist, wodurch das Wasser besonders klar ist. Es verleiht dem Crater Lake seine einmalig blaue Farbe. Wir haben uns einen ganzen Tag Zeit genommen, um den See von seinen verschiedenen Aussichtspunkten und Wanderwegen zu bestaunen.

Crater Lake mit seinem tiefblauen Wasser

Bei herrlichem Sommerwetter war es für uns schwer vorstellbar, dass es hier nur etwa 3 Monate im Jahr schneefrei ist. Kein Wunder also, dass es in der Nacht empfindlich kalt wurde und wir ein wenig Sorge um unsere Wassertanks hatten.

In Fortsetzung des Vulkanthemas fuhren wir mit einem kleinen Abstecher über das Lava Beds National Monument, in dem man auf eigene Faust verschiedene Lavaröhren erkunden kann, zum äußerst vielseitigen Lassen Volcanic National Park. Obwohl es sich hierbei angeblich um einen wenig besuchten Nationalpark handelt und wir am Ende der Saison dort eintrafen, war der Campingplatz erstaunlich gut gefüllt. Leider haben wir in den eineinhalb Tagen nicht alles geschafft, und mussten auf die Besteigung des Lassen Peaks verzichten.

Ein Abstecher in den Lassen Volcanic Nationalpark

Aber auch die anderen Wanderungen haben uns durchweg sehr gut gefallen: die Umrundung des Manzanita Lakes bei Sonnenuntergang, die vulkanische Aktivität in Form von heissen Geysiren und blubbernden Schlammlöchern am Bumpass Hell sowie die lohnenswerte Besteigung des Cinder Cones. Dort ist auf dem Rückweg sogar unser größter Wunsch in Erfüllung gegangen, und wir haben direkt am Trail in maximal 50 Metern Entfernung einen Bären gesehen!!!

Für die Weiterfahrt zum Lake Tahoe haben wir uns für die Strecke über die State Route 89 und 70 durch die Berge entschieden und erreichten den See daher von Nordwesten in Tahoe City. Schon die Fahrt entlang des Westufers ermöglichte uns einen ersten Eindruck von dem zu Recht viel gepriesenen Bergsee. Als Stützpunkt haben wir uns den Fallen Leaf Campground am Südende ausgesucht – eine gute Entscheidung sowohl von der Lage als auch dem Ambiente. Auch hier waren wir erstaunt, dass der Platz Ende September unter der Woche fast ausgebucht war.

Unser Blick auf den atemberaubenden Lake Tahoe

Wie vermutlich für alle Touristen war unser erster Anlaufpunkt die Esmerald Bay. Vom Parkplatz hatten wir einen traumhaften Blick, die angeblich „very steep“ Wanderung zum Ufer war allerdings deutlich kürzer als gedacht und der Kayak-Verleih an Vikingsholm unverschämt teuer. Auf der Suche nach einem Alternativprogramm haben wir per Zufall vom Parkplatz am Inspiration Point einen ziemlich steilen, aber wunderschönen Trail zu den Maggies Peaks gefunden. Der anstrengende Anstieg wurde mit einem beeindruckenden Panoramablick belohnt –viel besser als eine Paddeltour zur Fayette Island! Trotz eindringlicher Hinweise hinsichtlich erhöhter Bären-Aktivität haben wir leider keinen mehr zu Gesicht bekommen.

Im Zickzack durch die Berge auf teilweise spektakulären und nahezu autofreien Straßen ging es weiter bis zum extrem alkalischen und salzhaltigen Mono Lakemit seinen skurrilen Kalktuff Formationen, wo wir eine Nacht auf dem Weg zum Yosemite Nationalpark verbrachten.

Zum Glück hatten wir beim Reservierungs-Ansturm auf die Campingplätze im Yosemite Village Erfolg und haben für 3 Nächte einen Platz auf dem Lowe Pines CG ergattern können. Natürlich haben auch wir auf einen Platz am Flussufer gesetzt und „nur“ einen auf der gegenüberliegenden Seite bekommen, der uns vor Ort dann viel besser gefallen hat. Ehrlich gesagt hatten wir ein bisschen Sorge vor dem Ansturm auf Yosemite NP, aber obwohl ALLE 13 Campingplätze komplett ausgebucht waren und auch ansonsten viel Betrieb herrschte, war es auf dem Campingplatz nicht nur angenehm ruhig, sondern uns haben sowohl ein Koyote als auch drei Rehe an unserem Frühstückstisch besucht.

Der Yosemite Nationalpark – Natur pur!

Wir haben es sehr genossen, unser Wohnmobil für 3 Tage stehen zu lassen, und bei nach wie vor herrlichem Spätsommerwetter möglichst viele Wanderungen zu unternehmen. Uns war schon im voraus bewusst, dass die Wasserfälle weitgehend trocken sein würden. Dennoch hat uns vor allem die Wanderung bis zum Nevada Falls ausgesprochen gut gefallen.

Schließlich haben wir den Yosemite NP in Richtung Süden verlassen und die Gelegenheit genutzt, gigantische Sequoias in der gerade wieder eröffneten Mariposa Grove zu bestaunen. Dennoch lag über allem schon eine etwas wehmütige Abschiedsstimmung, da unser unvergesslicher Urlaub leider seinem Ende entgegen ging. Leider waren auf der Fahrt nach San Francisco Highways nicht vermeidbar, die Straßen waren schlecht und die Strecke eintönig. Ein kleiner Wermutstropfen war sicherlich noch der wirklich schöne Anthony Chabot Campground in idealer Lage für die Rückgabe unseres „rolling homes“ der vergangenen 3 Wochen.

Familie Schenk, September 2018

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