Quer durch die USA – Reisebericht Teil 1

Unsere Gewinner des Los Angeles Gewinnspiels sind zurück und haben einen tollen Reisebericht im Gepäck.
© Familie Hartmann

Gewinner unseres L.A.-Gewinnspiels

2016 gab es bei CU | Camper eine tolle Reise zu gewinnen: Mit dem Wohnmobil ab Middlebury nach Los Angeles und das mit einem nagelneuen Fahrzeug.

Die Neuwagenüberführung gewann das Ehepaar Hartmann, welches uns jetzt von seiner zweiwöchigen Reise quer durch die USA – sehr persönlich und authentisch – berichtet.

Tag 1

Und schon wieder klingelt der Wecker. Und das um 5:00. Und ich bin seit 2 Stunden hellwach. Das liegt an der doofen Zeitverschiebung. Wir sind 6 Stunden hintendran. Das heißt wird sind in den USA. Genaugenommen in Chicago. Das Hotel O`Hare Comfort Suites ist etwas runtergekommen, aber für eine Nacht hat es gereicht. Pünktlich um 6 Uhr stehen wir geputzt und gestriegelt in der Lobby. Wir erwarten unseren Shuttlebus. Und mit uns gefühlte 100 andere.

Ein moderner Reisebus mit genügend Sitzplätzen steht vor der Tür. Und dann geht es los. Nach einer zweistündigen Fahrt sind wir in Middlebury, Indiana. Das Nest besteht aus einer Tanke, einem KOA und einer Ampel. Es ist jetzt 10 Uhr und um 14:15 soll unsere Übergabe sein. Also was tun? Plötzlich kommt ein Native und schlägt einen Einkaufsbummel in Shipshewana vor. Das dauert allerdings noch etwas, weil er seinen Bus bei laufendem Motor abgeschlossen hat. Und der Schlüssel ist drin. Wie das geht weiß ich auch nicht. Aber irgendwann gehen die Türen auf und es geht los. Shipshewana ist eine große Amishgemeinde.

© Familie Hartmann

In den kleinen Läden sind freundliche nette Menschen, die noch ein bisschen Deutsch sprechen. Und Süßkram können die backen! Alles ist handgemacht. Wir können uns gar nicht mehr losreißen. Die Zeit geht viel zu schnell vorbei. Und wieder was gelernt. Erst wenn man Leute kennen lernt, weiß man mehr. Zurück geht dann alles ruck zuck. Unser El Monte RV wird in Rekordzeit übergeben. Aber typisch amerikanisch: Es wird einem gezeigt, wie Mikrowelle und Fernseher funktionieren, aber das Reserverad ist uninteressant.

Ansonsten waren die Ansprechpartner SUPER freundlich und kompetent. Dann ging es einkaufen. Mit der Kaffeemaschine hatte ich die größte Freude. Zuerst keine gefunden. Die Amerikaner haben ein besonderes Ordnungssystem. Dann doch gefunden. Wir haben uns entschlossen, die Nacht noch auf dem KOA zu verbringen. War ne gute Entscheidung. Der Jetlag hängt noch ganz schön in den Knochen. So haben wir noch Zeit, unseren „brandnew El Monte RV“ kennenzulernen. Ein tolles Wohnmobil, aber an Kleinigkeiten fehlt es. So wird zum Beispiel ein Tisch mitgeliefert, aber keine Stühle. Es gibt eine LED Außenbeleuchtung, aber keinen Haken für Handtücher. Es sind Kleinigkeiten, diese fallen aber auf.

Aber trotzdem bin ich total begeistert. Der KOA hier ist allerdings unterster Standard. Laut, da hier die Hauptstraße vorbeiführt und die Waschräume sind eine Frechheit. Aber egal – für heute reicht es. Morgen geht’s weiter Richtung Norden.

USA
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Tag 2

Nach dem Frühstück im Freien geht’s los. Wir fahren über Toledo und Cleveland entlang am Eriesee nach Buffalo. Die Fahrt ist ereignislos, bis auf die erste Tankstelle. Dort stellen wir uns an wie die letzten Landeier. Wir haben beschlossen, dieses Erlebnis zu streichen. Drum keine Einzelheiten. Ach ja, wir waren stilecht in Cleveland im KFC. Übernachtet haben wir auf der Insel Grand Island. Der Campingplatz Cinderella (fünf Kilometer vor den Wasserfällen) ist einfach, aber sauber und ruhig. Heiß duschen und ab in die Kiste. In der Nacht haben wir dann alle Decken aktiviert und uns aneinander gekuschelt. So kalt war es. Aber der Morgen kommt und ein neuer Tag wartet auf uns.

Tag 3

Heute sind die Niagarafälle angesagt. Der Wetterfrosch hat Regen angesagt. Und das bei 8 Grad. Aber wir haben Glück. Der Regen hält sich zurück und die Sonne spitzt sogar ab und zu durch. Der Parkplatz ist das größte Problem. No RV. Und das an allen näheren Parkplätzen. Dann schnell los. Zuerst zu den American Falls. Man hört sie schon von weitem. Durch einen kleinen Park, der gut beschildert ist, kommt man zu den verschiedenen Aussichtspunkten. Jetzt in der Vorsaison sind alle kostenpflichtigen Views frei. Die Boote fahren allerdings noch nicht. Aber was für Ausblicke. Da gerade Schneeschmelze war, fließt sehr viel Wasser.

© Familie Hartmann

Wir stellen unseren Burschen auf einen LKW Stellplatz und laufen nach Kanada. Wie die Pioniere. Über die „Rainbowbridge“ kommt man bequem rüber. Ein netter Offizier begrüßt uns und schon ist man drüben. Und hier haben die Amerikaner mal den Kürzeren gezogen. Die kanadischen Horseshoefalls sind noch um einiges imposanter. Man weiß gar nicht, wo man zuerst hinschauen bzw. fotografieren soll. Es ist später Nachmittag als wir zurück sind und unser Motorhome auf uns wartet. Und jetzt noch schnell einen Campingplatz suchen. Kann ja nicht so schwer sein. Pustekuchen. Die Plätze machen alle erst Anfang bis Mitte April auf. Nach vielen erfolglosen Anfahrten gibt eine nette Dame den Tipp: Restarea bzw. Welcome Center. Das sind Rastplätze für Trucks. Riesengroß und mit sanitären Anlagen. Und tatsächlich: Nach 70 Meilen! finden wir einen solchen Rastplatz auf der Interstate 90. Angehalten, Aggregat angeworfen und schon wie zu Hause. Da wir heute wirklich sehr müde vom vielen Laufen sind, stört uns der jetzt einsetzende Regen nicht mehr. Gute Nacht!

Tag 4

Der heutige Tag ist ein reiner Fahrtag. Über Columbus und Cincinnati führt uns die I 90 weiter Richtung Süden. Unterwegs machen wir mal an einem „Waffle House“ Halt, um uns zu stärken. Ziemlich müde erreichen wir unseren Campground Oak Creek in der Nähe von Florence. Und wieder Regen. Wir hoffen auf besseres Wetter weiter Richtung Süden.

© Familie Hartmann
Unser Wohnmobil auf dem LKW Parkplatz

Tag 5

Über Louisville wollen wir heute noch Nashville erreichen. Auf dem Weg dorthin besuchen wir die Mammoth Cave, ein 400 Kilometer langes Höhlensystem. Allerdings machen wir nur ein paar Meter in die Tiefe zur Förderstätte von Salpeter, der vor allem im Kriegsjahr 1812 abgebaut wurde. Und weiter geht die Fahrt bis wir abends den KOA Nashville am Music Valley Drive erreichen. Wir fragen, was wir evtl. noch am Abend unternehmen können und bekommen den tollen Tipp von Livemusik im John A`S. Da wir nicht mehr Autofahren wollen, machen wir uns zu Fuß auf und laufen 1,5 Meilen hin und auch wieder zurück! Aber es hat sich gelohnt, wir bekommen ein tolles Musikprogramm von Emily und ihrem Gitarristen. Nashville-Feeling pur!

Die Sängerin war mal in Stuttgart und erzählt, dass sie so begeistert vom Baumarkt Obi war! Es war auf alle Fälle ein lustiger Abend und zum Abschied gab`s sogar Küsschen!

Tag 6

Am Vormittag gönnen wir uns mal eine Pause. Wir haben am Vortag Karten reserviert für den Besuch der Grand Ole Opry. Um ein Uhr nachmittags werden wir zu unserer Tour abgeholt. Eigentlich hatte ich gehofft, wir kommen in die Show. Die findet aber nur freitags und samstags statt. Und immer ausverkauft. Also nur Besichtigungstour. Die ist aber super! Nach einer Sicherheitskontrolle, die fast wie am Flughafen abläuft, kommen wir in die heiligen Hallen. Das Innere gleicht einer riesigen Konzerthalle. Und hier wird seit über 80 Jahren eine Radioshow durchzogen. Thomas Gottschalk wäre neidisch bei solchen Einschaltquoten. Backstage wird uns gezeigt, welche Countrysänger hier schon waren. Leider kennen wir die wenigsten. Aber das Ganze ist wohl der Himmel für jeden Countrysänger. Danach geht es ins Gaylordhotel. Ich dachte das ist ein Hotel für Schwule. Aber Pustekuchen. Der absolute Luxus. Das Hotel hat 2.500 Zimmer. Die Präsidentensuite kostet 3.500 Dollar die Nacht. Mit einem Boot kann man in 20 Minuten einen Park umrunden, der mit 8000qm Glas überdacht ist. Der Fluss besteht aus Wasser aus ganz Amerika, das der Besitzer flaschenweise heranschaffen ließ.

© Familie Hartmann
Grand Ole Opry

Der Park ist mit exotischen Pflanzen bestückt und überall sind Wasserfälle. Unglaublich. Natürlich auch überall kleine Bistros und Geschäfte. Habe ich schon gesagt, dass hier alle musikalisch sind? Sogar der Shuttlefahrer gibt eine Gesangseinlage vom Feinsten.

Um fünf Uhr nachmittags sind wir wieder am KOA. Jetzt geht es mit dem KOA-Shuttle ab nach Nashville Downtown. Ich habe noch nie so eine verrückte Stadt gesehen. Fast wie Las Vegas. In der Innenstadt sind hunderte Kneipen und in jeder spielt Livemusik. Und dann passiert etwas, was ich nicht für möglich gehalten hätte. Zuerst werden unsere Ausweise kontrolliert, ob wir über 18 sind. Dann bekommen wir ein blinkendes Teil in die Hand gedrückt. Mit dem Hinweis, wenn es anfängt, in allen Farben zu blinken, sollen wir wiederkommen, dann bekämen wir einen Tisch. Die Ribs waren super. Der Burger ein bisschen zu Burger, und die Musik zu laut und zu modern. Also nächste Kneipe. Und so haben wir uns durchgeschlagen bis zum Benchmark. Hier sind wir dann verhockt. Leider ging unser Shuttle pünktlich um 11:30 Uhr abends und jetzt kommt das andere Gesicht von Nashville zum Vorschein. Alkoholleichen auf der Straße, Bettler und total Bekiffte, die dich anquatschen. Und allen will meine Frau helfen. Die Gullydeckel klappern furchtbar.

Tag 7

Heute nochmal Nashville bei Tag. Es steht die Music Hall Of Fame der Countrymusik auf dem Programm.

Übrigens, wer in Nashville bzw. USA solche Besichtigungen macht, sollte einen dicken Geldbeutel mitnehmen. Alle Eintritte kosten zwischen 30 und 120 Dollar. Das geht ins Geld. In der Hall Of Fame tummeln sich alle Großen der Countrymusik. Die Geschichte der Musik wird toll erzählt und man bekommt erstaunliche Dinge zu sehen. Zum Beispiel Minnie`s Schuhe, die sie 40 Jahre getragen hat, oder den Cadillac von Elvis und von einem anderen Sänger, der überall ins Auto Waffen und andere Cowboy-Utensilien einbauen ließ. Und natürlich tausende goldene Schallplatten. Als nächstes geht es zum Jonny Cash Museum. Hier machen wir nur einen Kurzbesuch, weil Eintrittspreise: siehe oben. Über Jonny haben wir schon ziemlich alles in der Ruhmeshalle erfahren.

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Aber Gifts müssen wir schon mitbringen. Als das erledigt ist, geht’s ins Ryman Auditorium. Das ist der Vorläufer vom Grand Ole Opry. Die ursprüngliche Kirche war irgendwann zu klein für die ganzen Menschenmassen. Auch heute noch finden hier Konzerte und Aufführungen statt. Eigentlich wollte die Stadt das Gebäude abreißen, laut Gutachter lohnte sich keine Renovierung, aber die Bürger haben das verhindert.

Zu guter Letzt noch ein Fußmarsch zum Kapitol. Alles in Allem ist Nashville eine verrückte Stadt mit viel Sehenswertem. Aber lang würde ich es hier nicht aushalten. Der Lärmpegel ist unvorstellbar, viele crazy poeple und der krasse Unterschied zwischen alt und neu und arm und reich erschlägt einen. Der shuttle bringt uns zurück Richtung KOA und meine Frau bequatscht den Fahrer, dass er uns an einer Kneipe rauslässt. Und er schlägt vor uns dort auch wieder um 9:45 Uhr abends abzuholen.
Meine Frau drängelt schon um halb, dass wir pünktlich parat stehen. Kein Fahrer um dreiviertel, kein Fahrer um zehn vor. Aber einer kommt von der Tankstelle und bettelt uns um Geld oder Sprit an. Wir wollen ihm 10 Dollar geben. Meine Frau Monika nestelt in ihrem Geldvorrat, als unser Shuttle um die Ecke kurvt. Vor lauter Stress drückt sie ihm 20 bucks in die Hand und spurtet Richtung Taxi. Das fährt aber seelenruhig weiter. Und auch unser Spritschnorrer hat sich vom Acker gemacht. Das heißt für uns: Drei Kilometer laufen. Davon hat Moni 2,8 km murrend und maulend zurückgelegt.

Übrigens: Das Steak und die Musik bei John waren ausgezeichnet.

Essen

Tag 8

Heute erfolgt die Weiterfahrt nach Memphis. Das Spannendste war der Einkauf in Jackson im Kroger. Unsere Vorräte sind auf ein Minimum geschrumpft. Um unseren Geldbeutel zu schonen ergattern wir eine Mitgliedschaft im Krogerclub. In Zukunft werde ich noch mehr Werbung auf mein E-Mail bekommen. Aber für 30% tu ich alles.
Am Abend sind wir auf dem Tom Sawyer Campground. Direkt am Mississippi. Was für eine Aussicht!

© Familie Hartmann

TAG 9

Heute ist Graceland angesagt. Meine Frau ergattert per Telefon noch zwei Tickets für diesen Tag. Pünktlich um 10 stehen wir in der Schlange. Und los geht es. Mit einem Shuttle werden wir zur Graceland Mansion gefahren. Ist zwar nur über die Straße, aber der Ami läuft nicht. Außerdem kontrollieren die Aufseher so die Anzahl der Menschen, die ins Haus kommen. Denn Graceland ist viel kleiner als gedacht. Bei uns ginge sowas als Zweifamilienhaus durch. Der Eingang ist etwas protzig, der Rest ist ganz normal im etwas plüschigen Stil der Siebziger eingerichtet. Was richtig groß ist, ist das Grundstück. Und hier hat der King immer wieder etwas angebaut. Einen Swimmingpool, den Jungle Room, der mal eine Terrasse war und natürlich Platz für seine Spielzeuge, Pferde, Autos, Motorräder und was sonst noch so Benzin verbrennt.

© Familie Hartmann
© Familie Hartmann
Eingang zu Graceland (links) und Grab von Grab von Elvis Presley und seinen Eltern (rechts)

Am Ende kommen wir zu dem Grab seiner Eltern und seinem Grab. Es ist schon sehr ergreifend. Die eine oder andere Träne kullert. Die ganze Führung ist wirklich toll gemacht. Man erfährt auch viel über den Menschen Elvis. Über seine Familie und Freunde. Es ist schon traurig, dass ein solches Talent sich zu Tode gefressen und sich am Schluss nur noch mit Pillen auf den Füßen gehalten hat.

Um 15 Uhr fahren wir weiter bis Hot Springs auf einen total einsamen und ruhigen Campingplatz. Hackfleisch mit Zucchini und mit Cheddar überbacken. Wozu was Kerniges? Wir müssen sparen. Ich bin am Schluss so müde, daß ich mein Bier nicht mehr leer bekomme.
Der Platz heißt passenderweise Cloud Number Nine.

Die gesamte Reiseroute

Familie Hartmann, April 2017

Hier geht es weiter zu Teil 2!

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