Quer durch die USA – Reisebericht Teil 2

Familie Hartmann – die Gewinner unseres L.A.-Gewinnspiels – reisen weiter Richtung Südwesten.
Landschaft in New Mexico

Die zweite Hälfte der Reise unserer Gewinner

Nach dem Start in Chicago, der Übernahme des El Monte in Middlebury, einem Abstecher zu den Niagarafällen, sowie einem kurzen Zwischenstopp in Nashville – geht die Reise der Hartmanns weiter ab Memphis am Tag 10.

(Hier finden Sie die gesamte Reiseroute)

TAG 10

Was – schon 10 Tage vorbei? Unglaublich. Der Himmel ist blau, kein Regen in Sicht. Als erstes hat meine Frau eine Diamantenmine (Crater Of Diamonds) ausfindig gemacht, auf der man selber schürfen darf. Aber was passiert? Kurz vor der Mine fängt es an zu schütten. Nicht genug damit. Ein Gewitter tobt direkt über den Glitzersteinchen. Das ist dann doch zu viel des Guten. Ein schlammverschmierter, nasser Redneck erzählt uns, dass er jede freie Minute hier verbringt. Zur Zeit hätte er einen Diamanten im Wert von 10.000 Dollar. Den könnten wir kaufen. Nö, unsere Urlaubskasse ist strapaziert genug. Nach langem Warten und Hoffen treten wir den Rückzug an. Ein Stück weiter besuchen wir noch einen Indianerladen. Den einzigen Indianer, den ich gesehen habe, war der Vertrocknete an der Kasse. Gesagt hat der schon lange nichts mehr. Dafür hat die nette Dame umso mehr und lauter kommuniziert. Und meine Frau Monika hat natürlich wieder was Hübsches für little Prinzessin gefunden. Langsam mache ich mir Gedanken über das Gewicht unserer Koffer beim Heimfliegen.

Nach einer ewigen Fahrerei hat Moni uns bis kurz vor Dallas gebracht. Wir ergattern den letzten Platz auf dem Campground Dallas NE und schlafen wie die Babys. Übrigens hat Monika eine neue Methode, Wäsche zu waschen. Wäsche ungewaschen in den Trockner werfen. Flüssigwaschmittel dazugeben, das verteilt sich besser, und dann Maschine mit Geld starten. Sie hat ihren Fehler aber schnell bemerkt, als kein Wasser geflossen ist.

TAG 11

Als erstes quälen wir uns durch den Randbereich von Dallas. Ich mag mir gar nicht vorstellen, was uns in der Innenstadt geblüht hätte. Das Verkehrschaos hatte zur Folge, dass Moni 4 – in Worten vier – rote Ampeln überfahren hat. Außerdem hat sie zwanzig Kilometer Autobahn (Toll Road) benutzt, für die man wohl so eine Art Vignette bräuchte, natürlich ohne zu bezahlen. Aber was ich ihr zugutehalte, mir wäre das gleiche oder noch mehr passiert. Erstes Ziel ist „Gasmonkey Garage“. Ich will doch mal sehen, wie es da aussieht. Kaum angekommen, macht sich ein bisschen Frust breit. Erstens ist das Ganze in einer total abgewrackten Gegend, zweitens ist die Werkstatt abgeschirmt wie Folsom Prison. Klar, die filmen da, aber gleich ein Stacheldrahtzaun? Also schnell T-Shirt und Patch eingekauft und dann weiter. Aber jetzt wohin? Und wenn man mal schon in Dallas Norden ist. Klar: die Southfork-Ranch!

© Familie Hartmann
Die Southfork Ranch in Dallas

Dank unseres schlauen Handys ist das Ziel schnell ausgemacht. Eine halbe Stunde später fährt unser RV die berühmte Auffahrt hoch. Nur die Titelmelodie fehlt. In der Eingangshalle sind natürlich alle Erinnerungsstücke, die ein Dallas-Fan braucht.

Ein Native bringt uns mit seinem Traktor quer durch die Ranch zum Haupthaus. Und dann werden alle unsere alten Erinnerungen wieder wach. Der Pool, die Treppe, der große Esstisch, der sogar mit unseren Cristal d`Arques Sektgläsern gedeckt ist. Alles ist da. Wir bekommen erklärt, was hier gedreht wurde und was an anderen Orten. Lustig zu sehen ist, dass zum Beispiel das Büro von JR in einer kleinen Baracke untergebracht ist. Alles ganz toll. Das einzige, was mich überrascht hat war, wie klein das Gebäude ist. Aber der Rest, die Farm ist riesig. Die war ja auch mal in Betrieb. Jetzt sind nur ein paar Pferde und ein paar Longhorns als Deko übrig. Moni zieht ihre Schuhe zu Hause gar nicht mehr an, sondern rahmt sie ein. Die haben den gleichen Boden wie Elvis und JR berührt. Am Abend finden wir dann noch einen schönen Platz außerhalb direkt an einem See mit Blick ins Grüne. Allerdings müssen wir zwei Stühle organisieren. Und Grillen ist auch etwas schwierig ohne Holzkohle. Aber unsere super Steaks werden auch in der Pfanne sensationell. Die besten Steaks ever. Vielleicht lag es auch am Sonnenuntergang und am Rotwein. Oder an allem zusammen. Moni und ich sind glücklich.

TAG 12

Heute steht die lange Fahrt von Dallas Nord Richtung Südwesten, Abilene an. Zuerst müssen wir uns aber wieder durch den Straßendschungel von Dallas kämpfen.

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Und wir sind nicht mal im Zentrum. Einer fährt, der andere navigiert. Und keine rote Ampel beleidigt. So schaffen wir es auf die I-20. Jetzt kann uns nichts mehr aufhalten. Pustekuchen. Zuerst ist es das Schild Woods and Boots. Moni spekuliert schon lange auf Cowboy-Boots. Und nach kurzem Überreden wird der Blinker gesetzt und abgebogen. Und tatsächlich Schuhe über Schuhe. Die ersten passen nicht, die zweiten sind zu teuer und die dritten passen nicht zum Hut. Aber die vierten, ja die vierten, die sind schön. Also gekauft und weiter. Wir hatten schon über längere Zeit ziemlich starken Wind. Und dieser fiese Wind nimmt immer mehr zu. Und jetzt wird auch das Licht immer gelblicher. Richtig unheimlich. Und Cowboyschuhfachverkäuferin hat auch noch was von einem Tornado kürzlich erzählt. Richtig gruselig. Und unser RV wird immer mehr zum bockigen Mustang. Moni, die fährt, hat richtig Arbeit, um auf der Straße zu bleiben. Die Luft ist voller Staub, der alles schwefelgelb erscheinen lässt. Das hat einen Hauch von Weltuntergang. Mit Mühe und Not erreichen wir einen Campingplatz direkt an der Interstate. Der ist zwar laut, aber wir können unsere müden Knochen ausstrecken. Ein kurzer Spaziergang, der durch den kalten Wind und die nicht einladende Gegend rasch ein Ende findet beschließt den anstrengenden Tag.

TAG 13

© Familie Hartmann

Moni und ich haben beschlossen, die Strecke zu den “White Sands“ übers Hinterland zurückzulegen. Das ist ein bisschen riskant, da die Straßen zum Teil als Landstraße eingetragen sind (never drive an ungraded road), aber wir sind auf Abenteuer aus.

Wir kommen pünktlich los und stürzen uns auf die nächsten 500 Kilometer.
Die Straße ist besser als gedacht und führt uns immer geradeaus. Zuerst nur Ackerland. Jetzt wissen wir auch, wo der gestrige Staub herkam. Jeder Traktor zieht eine kilometerlange Staubfahne hinter sich her. Und jetzt tauchen vereinzelt seltsam nickende Gebilde auf: Ölpumpen. Und sie werden immer mehr. Am Schluss sind es ganze Felder. Und dazwischen grasen Rinder. Naja grasen setzt Gras voraus, aber das ist hier Mangelware. Die Gegend wird immer öder. Nur die Ölpumpen und Öllaster begleiten uns. Ihnen ist es auch zu verdanken, dass die Straßen in einem besseren Zustand sind, als die Interstate. Aber irgendwann verschwinden auch die. Wir fahren durch eine Halbwüste. Wenn heute hier der Sprit ausgeht, nützen die ganzen Ölfelder nichts. Irgendwann tauchen Berge in der Ferne auf und auch die Umgebung verändert sich. Die ersten Büsche erscheinen, und irgendwann gibt’s sogar Bäume. Und es knackt in meinen Ohren. Okay der Luftdruck in US ist vielleicht etwas anders, aber als ich auf den intelligenten Fotoapparat schaue, sehe ich: wir sind auf über 2.000 m, Meter nicht feet. Doch beachtlich. Irgendwie haben wir uns heimlich in die Höhe geschraubt. Aber nun geht’s bergab. Kurz vor Mayhill sehen wir unsere ersten echten Cowboys. Vater und Sohn auf dem Pferd, die Rinder treiben. In Mayhill machen wir kurz Pause. Lauter nette Leute im Café.

© Familie Hartmann
Parkplatz im White Sands Nationalpark

Wieder treffen wir Amerikaner, die Deutschland lieben. Und der Kaffee und die Donuts sind absolut günstig. 3,80 Dollar für 2 Kaffee und 2 Donuts. Hier könnte ich leben. Auch die Gegend ist wunderschön. Wildromantisch geht es immer an einem Flüsschen bergab. Plötzlich teilen sich die Berge und in der Ebene sieht man schon die White Sands. Es sieht total surreal aus, weiße Schneefelder in heißer Prärie. Aber so früh man die Dünen sieht, so zieht sich das Ganze. White Sands ist eigentlich militärisches Sperrgebiet. Hier haben deutsche Piloten Bombenangriffe geübt. Hoffentlich zielen die richtig. Erst mal schlau machen, was so läuft. Am Abend soll es noch eine Führung mit einem Ranger geben, mit Sonnenuntergang. Das hört sich gut an. Da noch etwas Zeit ist, dürfen wir schon reinfahren. Überall weißer Sand. Würde man die Temperatur nicht fühlen, würde man denken, man sei im Skigebiet. Pünktlich erscheint Ron, Ranger Ron. Und der erklärt alles über die Pflanzen, Tiere und über die Entstehung des Geländes. 10.000 B.C. Das macht er so gut, dass die Sonne ohne uns untergeht. Und ich wollte hier mein millionstes Sonnenuntergangs-Foto machen. Daraus ist leider nichts geworden. Aber es ist trotz allem ein grandioses Erlebnis. Kurz bevor die Sonne verschwunden ist, glüht der weiße Sand ganz rosa.

Jetzt kommen noch 14 Meilen Rückweg, um einen Campingplatz in Alamogordo zu finden. Das klappt erst beim zweiten Anlauf. Finden auf KOA mit Nachtregistrierung einen Platz.

TAG 14

© Familie Hartmann

Heute nur fahren, fahren, fahren. In einem der vielen Feuerwerksläden entlang der Interstate werden noch mal Gifts eingekauft.

Unser Sohn hätte hier seine wahre Freude gehabt. Endlich, nach einer nicht enden wollenden Landstraße, die zwar mein Mopedherz höherschlagen lässt, aber im RV am Schluss doch nervt, erreichen wir den Zelt-Platz, den Moni auserkoren hat. Mitten im Chiricahua Nationalpark. Wir kommen kurz vor Sonnenuntergang an und freuen uns schon auf unser Feierabendbier im Bonita Canyon. Dann der Schock. Full. Closed. Der nächste Zeltplatz ist ca. 30 miles away. Mist. Moni flirtet zwar mit dem Ranger, aber wir haben keine Chance. Aber er ist so nett und erklärt uns, dass direkt am Eingang zum Park ein Stück Niemandsland ist. Dort könne man uns nicht vertreiben. Also nisten wir uns dort ein. Ich komme mir vor, wie die ersten Siedler. Nur mit der Wagenburg habe ich Probleme. Und mit der Einteilung der Wache gibt’s auch Schwierigkeiten. Ich brauche gar nicht erst um unser trautes Heim zu laufen. Bei jedem Motorgeräusch oder Scheinwerfer springt Moni aus dem Bett und kontrolliert, ob sich jemand unbefugt nähert. Aber irgendwann schlafen wir beide ein und träumen von Cowboys und Indianern.

TAG 15

Unsere One-RV-Wagenburg hat gehalten. Früh sind wir wach, weil die Sonne in unser rollendes Zuhause blinzelt. Moni sieht ein bisschen zerknautscht aus. Sie ist noch ein paarmal Wache gelaufen, während ich geschlafen habe. Dafür sind wir nach dem Frühstück die ziemlich Ersten, die am Visitorcenter stehen und um Einlass bitten. Zuerst fahren wir eine steile Straße bergan. Ich weiß gar nicht, wo ich zuerst hingucken bzw. filmen soll.

Links und rechts türmen sich hohe rote Säulen auf. Im Kontrast zum dunkelblauen Himmel ist das Farben- und Formenspiel unglaublich. Die Straße hier hoch zum höchsten Punkt auf 2.096 Meter hat griechischen Charakter. Nur die Baumaschinen fehlen.

© Familie Hartmann

Wir haben uns für die Massai Tour entschlossen. Die hat nichts mit Afrika zu tun, sondern mit einem Indianer, der so hieß und nach einem Pferdediebstahl spurlos verschwand. Er soll hier immer noch rumspuken. Hier stehen noch mehr berühmte Indianernamen. Chochise trieb sich hier rum, genauso wie Geronimo. Aber alle wurden ausgelöscht. Denen wurde ganz übel mitgespielt. Wir wollen nur schnell die kleine Runde drehen, weil wir weiter nach Westen müssen. Aber aus dem schnell wird wieder nichts. Es gibt hier so viel zu sehen. Überall die bizarren Steinformationen. Hinter jeder Ecke gibt’s was Neues zu sehen. Es ist unglaublich. Der Auslöser meiner Kamera ist heiß geworden. Wie ging das bloß früher mit 36 Bildern auf einem Film?

Irgendwann ist Schluss, wir müssen wieder runter vom Berg. Wir schauen noch kurz am Sugarloaf vorbei und ich muss runterfahren, gerecht ist gerecht. Dann steuern wir nochmal zwei Aussichtspunkte an, bevor der Spaß ein Ende hat. Nicht ganz. Wir schauen noch bei der Faraway-Ranch vorbei, wo Ericsons gelebt haben. Die sind um 1880 aus Schweden eingewandert. Nach seiner Militärzeit hat er sich mit seiner Frau hier niedergelassen. Er war mit Geronimo befreundet. Darum konnte er hier relativ gefahrlos leben. Es heißt, mit einem Stück Draht konnte er alles reparieren. Und er hat viel Draht gebraucht.

© Familie Hartmann
Campground bei Tombstone

Über Willcox und die Interstate 10 fahren wir bis Benson. Dort halten wir uns Richtung Tombstone. Wir wollen die alte Westernstadt besichtigen, in der schon John Wayne und Wyatt Earp ihre legendären Gunfights durchgezogen haben. Über der Stadt hängt heute noch der Pulverdampf. Aber zuerst brauchen wir ein Plätzchen zum Schlafen. Unser ausgewählter Platz ist etwas außerhalb. Die dauernde Schießerei stört dann doch beim Schlafen. Dort angekommen teilt uns die nette Dame im Office mit, dass sie voll belegt sind. Sch……

Die anderen Plätze waren gar nicht einladend. Sie will gerade rumtelefonieren, als sie meint, ein ganz kleines Plätzchen hätte sie doch noch. Und tatsächlich bekommen wir einen Randplatz zugewiesen, der für die Großen zu klein ist. Manchmal ist klein besser. Und das Beste kommt noch. Ihr Mann fährt uns ins Städtchen und gibt uns eine Telefonnummer für das Abholen. Super Service. In der Stadt schauen wir uns dann die berühmte Westernszene an. Problem ist nur: Weder ich, der kaum Englisch kann, noch Moni, die gut Englisch kann, verstehen ein Wort des Schauspiels im OK Corral. Aber es spricht hauptsächlich Mr. Smith and Wesson. Und das verstehen sogar wir. Anschließend gibt es noch eine kleine Bauernvorführung, die aber total liebevoll gemacht ist. Hier erfahren wir auch mehr über die Geschichte von Tombstone. Mehrmals abgebrannt, eigentlich Minenstadt. Die Mine aber abgesoffen usw.. Ganz schön bewegt.

© Familie Hartmann
© Familie Hartmann
In Tombstone

Irgendwann wollen wir nach Hause. Wir haben ja die Zaubernummer vom Chef des Platzes. Aber als wir anrufen, geht niemand ran. Müssen wir schon wieder laufen? Aber Moni regelt das und kurze Zeit später steht unser Taxi da. Und bei der Heimfahrt stellt sich heraus, dass unsere Fahrerin in Herrsching bei München geboren ist. Genauso quatscht Moni ein Pärchen an, das ausschaut, wie von 1890 und es stellt sich heraus, dass der Mann schon in Lindau war. Jeder Ami, den wir kennen gelernt haben, hat Verwandte in Deutschland oder war schon mal in Deutschland. Auf dem Platz hat der Chef schon einen Grill für uns bereit gestellt, wir brauchen nur noch Kohle anschmeissen, Steaks auflegen und der Abend ist gerettet.
Ach ja, mit dem Nachbarn bin ich noch Harleys und Indian anschauen gegangen. Was will man mehr?

Familie Hartmann, April 2017

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