Route 66 Neuwagenüberführung – zwei Greenhorns auf dem Weg nach Westen

© Christine Haas

Die Reise war ja lange schon geplant: Wenn du ein Dreivierteljahr vor Reiseantritt buchst, hast du die Chance, eine solche Neuwagenüberführung zu machen – von Chicago nach Los Angeles, 3000 Meilen/ 4.800 Kilometer.

Über CU Travel mit dem RV-Anbieter Road Bear zum Beispiel. Ich wollte das unbedingt mal machen. Zum fünften Mal hintereinander in den USA und jetzt mal richtig abenteuerlich! Aber ohne Mann könnte das problematisch werden, oder? Ich muss auf jeden Fall jemanden mitnehmen, sagte meine Tochter. Es fand sich doch dann tatsächlich im letzten Moment meine Cousine. Auch eine Frau im besten Alter und – auf Erlebnissuche.

Zur inhaltlichen Vorbereitung diente eigentlich ausschließlich der Reiseführer „Route 66“ von Jens Wiegand. Ansonsten hatten wir nur unsere Handys und das Navi im Auto.

Indiana

Bei Schneetreiben und mit zwei Stunden Verspätung kamen wir mit den anderen Road Bear-Abenteurern in Middlebury/Indiana bei der Abholstation an.

Die Einweisung lief reibungslos und bald mussten wir hinters Steuer dieses Riesenfahrzeugs. Oh Gott, oh Gott! Erst mal in ein nahes Städtchen, etwas essen, Geld holen. Uns blieb der Mund offen stehen, hier leben fast nur Amish People. Sie fahren in ihren Kutschen und leben wie vor ca. 150 Jahren. Schon mal begeistert!

Illinois

Zurück nach Chicago im Schneetreiben und später Seitenwind vom riesigen Lake Michigan her. Da ist höchste Konzentration gefordert. Im Dunkeln kamen wir in Chicago dann irgendwann endlich an. Ich hatte uns im Getaway Hostel für 2 Nächte einquartiert, um noch Chicago etwas anzuschauen. Wir fanden das Hostel auch in einer alten Villengegend mit höchster Parkplatznot und ganz engen Sträßchen. Und wir mit dem Riesenelefanten…

© Christine Haas

Wir mussten dann den eigentlich total einfachen Weg zum Parkplatz hinter dem Hostel über eine Stunde suchen. Völlig entnervt und nachdem ich falsch herum in eine Einbahnstraße gefahren war, habe ich dann für 10 $ Trinkgeld den Typen vom Hostel mitgenommen, um uns den Weg zur Parkmöglichkeit zu zeigen. Für die zwei Nächte auf drei Parkplätzen parken nahm man uns 116 $ ab. Uff, das war ein Auftakt! Am nächsten Tag Chicago, das lag noch im Winterschlaf. In aller Herrgottsfrühe aufgestanden und in Richtung St. Louis / Missouri auf der Interstate 55 gestartet (gleich mal 500 Kilometer).

Unterwegs in Litchfield im historischen Café „Aniston“ etwas von der reichhaltigen Kuchenauswahl probiert und erstmals die besondere Freundlichkeit der Amerikaner zu spüren bekommen. Das Tor zum Westen in St. Louis in der Abendsonne passiert. Am Abend in Eureka auf dem ersten KOA RV Park angekommen, schon ziemlich k.o.. Mit Hilfe von verschiedenen Männern versucht, alles zu installieren. Da uns der eine den Wasseranschluss an den fahrzeugeigenen Wassertank angeschlossen hatte (nicht am Citywasser) und wir das Befüllen aus den Augen verloren hatten, machten uns unsere Nachbarn darauf aufmerksam, dass der halbe Platz schon unter Wasser stand. Oh nein, gut dass es freundliche Mitmenschen mit RV-Erfahrung gibt. Alles eingeräumt – die Heizung gesucht und gefunden. 22 Uhr todmüde in die Koje gefallen. Trotz Heizung war`s so kalt, dass ich irgendwann dann auf der Bank eingepennt bin. Für unser Empfinden bisher schon ein wilder Ritt Richtung Westen; für die ersten Siedler kann es nicht anstrengender gewesen sein.

Am nächsten Morgen auch wieder früh auf, alles einrichten, sich aneignen. Doch spät weggekommen, irgendwie hatte sich ein Kontakt des Stromanschlusssteckers verbogen, aber unser Nachbar konnte das mit der Zange wieder gerade biegen. Solche Unglücke sind nicht nur schlecht; Das sind auch immer Möglichkeiten, um mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen und zu reden. Wir wollten ja auch unser Englisch verbessern oder? Abwechselnd – Interstate und Route 66 gefahren.

Missouri

© Christine Haas

Nach dem Cruising in den Ozarks, das Klima hat sich unbeschreiblich gewandelt, richtig mild, unser Highlight: „Devils Elbow“. Gesucht und gefunden. Eine Bikerkneipe mit echten Typen und einem perfekt gestylten Damenklo wie im Reiseführer beschrieben. Alle Beteiligten haben sich gefreut, mal mit anderen Leuten reden zu können. Gut gegessen, eine Art Sandwich mit geraspeltem Pork, kleinen Kroketten und Gürkchen, wurde uns empfohlen.

Ich wollte dann noch unbedingt die Alpakafarm besuchen. Nach einer Stunde über öffentliche Schotterstraße haben uns die zwei sehr netten und gesprächigen Betreiberinnen der Farm auch ohne vorherige Terminabsprache alles gezeigt. Süße Tiere, netter Laden mit Alpaka-Kleidungsstücken und Wolle.

© Christine Haas

Heute war hier St. Patricks Day. Bis wir dann den Campingplatz in Springfield hatten, war der schon zu. Da haben wir davor (aber schon drinnen) geparkt, was soll`s, bezahlen wir morgen früh.

Dass es überall einen Night Check-In gibt, haben wir erst später mitbekommen.

Tipp
© Christine Haas

Wieder schon nach 20 Uhr ins Bett gefallen, sehr müde. Verdammt, Bier ist aus und verdammt, wieder an der Bahnlinie, der Güterzug hupt bis nach Springfield rein, so laut.

Von Springfield über Ash Grove, Tulsa/Missouri nach Tulsa, El Reno / Oklahoma. Was war das wieder für ein schöner Tag. Die Sonne scheint immer kräftiger, das Grün sprießt nur so. Missouri ist wunderschön. Die erste historische Tankstelle gesehen. Natürlich auch toll für die Touristen aufbereitet. Sinclair Tankstelle mit Zeug aus den Zwanzigern, Dreißigern und vierziger Jahren. Hat so richtig Spaß gemacht mit den beiden Betreibern zu reden, sehr geschäftstüchig. Hunderttausend alte Sachen, (für mich) wie ein „Rausch“.

Weiter Richtung Tulsa/Oklahoma. Die Landschaft fließt so dahin. Erst sehr flach, dann schnurgerade, aber hügelig. Wieder schönen RV Park von KOA für 33 $ die Nacht gefunden. Full „Hook Up“, alles angeschlossen, ging schon schneller. Zum ersten Mal geduscht. Von den beiden netten deutschen Nachbarn nochmal richtig das Display erklären lassen (wann welcher Tank leer ist usw.). Wieder todmüde.

Oklahoma

Am Sonntag in Oklahoma City nur das Cowboy und Indianer-Museum gesehen. Oklahoma ist wirklich eine dustbowl. Aber netten Campingplatz an kleinem See gefunden. Noch Zeit zur Erholung gehabt. Richtig heiß tagsüber, 30 Grad erstmals, auch abends und nachts ganz angenehm.

Texas

Von El Reno / Oklahoma über Amarillo / Texas nach Vega Texas. Wird immer heißer und eben, ohne Bäume. Die „Cadillac Ranch“ lag auf einem Stoppelfeld in der heißen Nachmittagssonne. Viehauktion und Rodeo nebst Country Music geschlossen, schade. Nachts wieder eisig kalt. Weiter nach Santa Fe, haben schon 1500 Meilen drauf! Von Texas nach New Mexico. Über Adrian (Midpoint 1139 Meilen) über Glenario, wieder eine Ghosttown, rüber nach New Mexico.

© Christine Haas

New Mexico

Bei Santa Rosa das Blue Hole besichtigt. Dann im Santa Rosa State Park relaxed – natürlich nicht ohne vorher noch danach gesucht zu haben. Netter See in der Wüste, wo der Rio Pecos aufgestaut wird. Nach Santa Fe, über 2.000 Meter hoch. Da bleibt einem bei jedem Schritt die Luft weg. Schöner KOA RV Park unter den Kiefern. Wieder fast 450 Kilometer gefahren, das schlaucht. Der Fahrer ist immer noch kaputter als der Beifahrer. Aber der hat`s auch nicht leicht: navigieren, vorlesen, Musik.

© Christine Haas

Endlich geht mein Handy über Bluetooth. Erst mal einen Tag Pause, wir müssen uns erholen. Wir haben schon 1.700 Meilen drauf, jetzt müssen wir mit den Umwegen sparsam sein. Nachdem wir das Einkaufen in den Griff gekriegt haben, machen wir uns abends meistens selbst etwas zu essen, billiger und besser, als jedes Mal essen zu gehen!
Santa Fe, uff sind auf über 2.000 Meter Höhe und beide am Schnaufen, das Herz pumpt ganz schön. Erst am Nachmittag in die fußgängerfreundliche, warme, nette Stadt rein gefahren, noch eingekauft und gechilled. Noch ein zweites Mal übernachtet.
Von Santa Fe nach Albuquerque. Vom angenehmen Klima in Santa Fe am Morgen auf der „Route 3“ über White Rock mit herrlicher Aussicht über die Berge und den 300 Meter unten liegenden Rio Grande in den Bandelier National Park gefahren. Dort auf die Leitern geklettert, um die indianischen Höhlenwohnungen zu besichtigen. Toller Rundweg. Durch die Berge bei starkem Schneefall und teils geschlossener Schneedecke ewig bis nach Jemez Springs runter gefahren. Gut, dass noch Winterreifen drauf waren. Alles reine Nervensache… War schon früher Abend und wir wollten doch noch die heißen Quellen finden!

Auf der Straße des winzigen Ortes, wo wir so herumirren, spricht uns ein Einheimischer an. Was macht ihr, woher kommt ihr, wohin wollt ihr und so weiter, sehr liebenswürdig. Verrät uns die heiße Quelle bei den Bodi`s. Obwohl wir schon zu spät waren, durften wir uns für 10 $ pro Person noch in den kleinen buddhistischen Garten direkt neben dem Jemez River in die heißen Teiche setzen und entspannen.

Draußen eiskalt. Wunderbar. Dann runter, bald ging der Schnee in Regen über, noch zwei Stunden bis Albuquerque, eiskalt auch hier unten noch. Nur noch Strom angeschlossen und gegessen…..
Von Albuquerque / New Mexico nach Holbrook / Arizona. Tag 12. Nur Strecke gemacht, es gab nichts weiter zu sehen.

Arizona

© Christine Haas

Am Tag 13 von Holbrook über Winslow nach Williams gefahren. Von Williams aus geht der direkteste Weg hoch zum Grand Canyon. In Winslow gibt es, man glaubt es kaum, das tolle historische Posada Hotel, gebaut von der berühmten Architektin Marry Colter. Dann lag der Meteor Crater noch auf dem Weg. Als Highlight am Nachmittag eine kleine Wanderung durch den Walnut Canyon mit seiner prähistorischen Indianersiedlung.
Tag 14 war geprägt durch das großartige Erlebnis Grand Canyon! Eine ganze Reihe von Aussichtspunkten abgefahren, verweilt, geflashed… Von den Touristenströmen haben wir nicht viel gesehen zu dieser Jahreszeit. Noch gefesselt von den Eindrücken dieses Naturwunders noch ins Imax Theater, den halbstündigen Film über den Grand Canyon angesehen. Super. Auf Wolke 7 dann über den Highway mit 60 Meilen im Sonnenuntergang zurück – bis uns ein doppeltes Schlagloch aus den Träumen riss. Aber alles heil geblieben.
„Die Wüste lebt“ von Seligman über Oatman nach Needles in California. Bevor wir nach Oatman, einer lustig nachgestellten Westernstadt mit viel Souvenirs und Kitsch und überall Erdhöhlen auf der Straße kamen, noch schnell einen Pass erklommen. Herrliche Landschaft, Berge übersäht mit Frühlingsblumen.

California

In Needles endlich wieder mal richtig schön warm. Aber k.o., auch vom Danebensitzen. Ab hier hat mein Handy in Bezug auf Telefon und Internet dann seinen Dienst komplett eingestellt… Sehr traurig. Gott sei Dank hatten wir ja ein Zweites.
Nach dem obligatorischen Einkauf, der sich in den jeweiligen (Wal)–marts immer wieder als aufwendiges Unterfangen herausstellte, bis nach Victorville gefahren. Immer gegen die untergehende Sonne, versteht sich. Es stellte sich heraus, dass der RV Park in einem wunderschönen riesigen Park mit See und Pelikanen lag. Doch – leider ist der Park dienstags und mittwochs geschlossen, oh nein. Wir beschlossen nach einiger Überlegung trotzdem dort einfach vor dem Tor draußen stehen zu bleiben, zu müde zum Weiterfahren. Danach sind wir rumspaziert und entdeckten auf dem für RV`s vorgesehenen Bereich doch tatsächlich zwei Fahrzeuge und eine Frau, die uns den Code fürs Torschloss verriet. Leider war dieses Mal das Bezahlen nicht möglich, aber wir waren der Frau sehr sehr dankbar, dass wir im Schutze des Parks übernachten konnten. Symtomatisch für die ganze Reise und für Amerika überhaupt: überall trifft man auf hilfsbereite und freundliche Menschen. Eigentlich fühlt man sich nie wirklich allein.

© Christine Haas

Nach einem wunderschönen halben Tag im Park von Victorville mit ausschlafen, laufen etc. in das Getümmel von L.A. gewagt. Bis wir den vorher reservierten schön in den Hügeln über dem Ozean gelegenen RV Park in Malibu endlich erreichten, vergingen aber doch dann noch über 4 Stunden.
Der neue Tag begrüßt uns wie jeder Tag mit Sonne (nur diesmal noch mit dem Zigarettenrauch der Nachbarn). Vormittags Spaziergang runter zum Strand. Ganz vorn an der Ampel den Highway überqueren, sonst droht Lebensgefahr! Hier ist der Strand schmal, Steine und Schwemmholz versperren den Weg. Ein ganzes Stück Richtung Malibu gelaufen, viele feudale Häuser mit Aussicht auf den Pazifik mit großen (deutschen) Wagen davor. Dann gegessen und Siesta. Der Wind wird kühler hier oben; am späteren Nachmittag nochmal in die Agoura Hills hochgestiefelt. Unter dem RV Park direkt an der Straße ist ein super Fischlokal, wo den ganzen Tag über lange Menschenschlangen davor stehen.
Aloe Vera auf den Sonnenbrand und die aufgesprungenen Fersen geschmiert, das hat sich schlagartig verbessert – ein „Wunder“.
Tag 19 in Santa Monica. Mit dem öffentlichen Bus für 1,75 $ ca. eine Stunde hingefahren. Tolles Shopping- und Sushi-Erlebnis gehabt. Natürlich noch zum Pier, und dokumentiert, wo die Route 66 offiziell endet.

© Christine Haas

Zurück wieder mit dem öffentlichen Bus, bis der endlich kam, waren wir total durchgefroren. Am Kiosk noch ein Bier mitgenommen, dann hatten wir unser Pulver für diesen sehr schönen Tag auch wieder mal verschossen.
Tag 20 wieder in den Bergen gewandert und dabei geschwitzt. Abends Fischbude.
Tag 21 Tour für L.A. geplant. Für 70 $ pro Person holt uns Surfcity Tours morgens mit dem Uber ab, fährt uns 6,5 Stunden durch die Highlights von L.A. mit 4 Stopps.
Ansonsten nur Wohnwagen aufgeräumt und das Malibu Civic Center, was sonntags auch geöffnet hat, besichtigt. Bei den Preisen!
Letzter Tag in L.A.. hat alles wunderbar funktioniert mit der Buchung. Die Highlights gesehen, das ist einfach ein Muss aus meiner Sicht.
Tag 23 erster Rückreisetag. Aufräumen, dumpen, tanken, Gas auffüllen (lassen). In den Agoura Hills, eine halbe Stunde entfernt, ist die Rückgabestation von Roadbear. Das hat alles dann super schnell, freundlich und reibungslos funktioniert. Auf dem Rücktransfer zum Airport im Kleinbus hat kein Mensch mehr ein Wort geredet, waren alle sicher irgendwie geschafft –
aber happy.

Christine Haas, April 2017

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